Während die 30 besten Spieler der PGA Tour bis Sonntag in Atlanta bei der Tour Championship um den Fedex-Cup und insgesamt 40 Millionen Dollar (34,3 Millionen Euro) spielen, könnte der Kontrast zur einst so finanzstarken Konkurrenz kaum größer sein. Vor vier Jahren schien Geld bei LIV Golf praktisch keine Rolle zu spielen. Der saudische Public Investment Fund (PIF) finanzierte den Angriff auf die PGA Tour mit Milliarden, Weltklassespieler wurden mit Verträgen in dreistelliger Millionenhöhe abgeworben, bei jedem regulären Turnier gab es allein 20 Millionen Dollar (17,1 Millionen Euro) individuelles Preisgeld.Inzwischen sieht die Golfwelt anders aus. LIV hat seine Saison bereits beendet. Die ursprünglich vorgesehene Team Championship in Michigan wurde gestrichen, das Turnier in Indianapolis am vergangenen Wochenende kurzfristig zum Finale – und dort wurde das individuelle Preisgeld auf 10,1 Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) fast halbiert. Der entscheidende Einschnitt kommt vom bisherigen Geldgeber. Mehr als fünf Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro) soll der PIF seit 2022 in LIV investiert haben. Nach dieser Saison endet die bisherige Finanzierung. LIV braucht deshalb neues Kapital.Wer ist der angebliche neue Investor?Scott O’Neil, der CEO von LIV Golf, verbreitet dennoch Optimismus und plant bereits bis 2030. Ein neuer Hauptinvestor sei gefunden und eine Vereinbarung vom Vorstand genehmigt. Den Namen des Investors und die finanziellen Bedingungen verschweigt LIV weiterhin. Medienberichten zufolge soll Ted Goldthorpe von BC Partners hinter dem Angebot stehen. Abgeschlossen ist der Deal noch nicht.Reuters berichtet von einem „Non-binding Term Sheet“, einer nicht bindenden Grundsatzvereinbarung. Gesucht wurde zuletzt neues Kapital von 250 bis 350 Millionen Dollar (214 bis 300 Millionen Euro). Gleichzeitig wird drastisch gespart. Ein Großteil der weltweit mehr als 300 Mitarbeiter soll LIV verlassen. Auch Dienstleister warten offenbar auf Geld.Die Produktionsfirma Fresh Tape Media fordert gerichtlich mehr als 1,2 Millionen Dollar (1,0 Millionen Euro), auch Mobii Systems Group hat LIV wegen ausstehender Zahlungen von mehr als einer Million Dollar (860.000 Euro) verklagt. Für eine Tour, die jahrelang mit scheinbar unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten auftrat, ist das bemerkenswert.Auch in Zukunft sollen die Spieler bei LIV Golf zum Abschlag bereitstehen.AFPDoch LIV soll weiterleben. 2027 ist ein Neustart als „LIV Golf 2.0“ geplant. Statt bisher 14 Turnieren soll es nur noch zehn geben: fünf internationale „Team Majors“ und fünf „Signature Events“. Auch die exorbitanten Preisgelder dürften Geschichte sein. Berichten zufolge wird mit rund zehn Millionen Dollar (8,6 Millionen Euro) pro Turnier geplant. Entscheidend wird sein, ob die Stars dieses Modell mittragen. Jon Rahms Wechsel Ende 2023 soll ihm mindestens 300 Millionen Dollar (257 Millionen Euro) garantiert haben, häufig wurden rund 350 Millionen Dollar (300 Millionen Euro) genannt.Berichten zufolge bestehen aus den langfristigen Verträgen von Rahm und anderen Stars noch erhebliche Verpflichtungen. Über ausstehende Zahlungen wird spekuliert; wie hoch diese tatsächlich sind und wann sie fällig werden, ist öffentlich nicht bekannt. Auch Bryson DeChambeaus Zukunft ist wichtig. Sein Vertrag läuft nach 2026 aus. Der zweimalige US-Open-Sieger ist sportlich und aufgrund seiner enormen medialen Reichweite eines der wertvollsten Aushängeschilder von LIV.Weniger Turnier, weniger Preisgeld – dafür AnteileDas neue Geschäftsmodell soll den Spielern deshalb die Möglichkeit geben, Mehrheitseigentümer von LIV Golf zu werden. Aus garantierten Millionenverträgen plus Rekordpreisgeldern würde eine neue Gleichung: weniger Turniere, geringere Kosten und weniger Preisgeld, dafür Unternehmensanteile. Ob Spieler, die wegen garantierter Millionen zu LIV wechselten, Anteile an einer bislang hochdefizitären Liga als attraktiven Ersatz betrachten, ist offen. Ebenso, welchen Wert diese überhaupt besitzen.LIV 2.0 muss erst beweisen, dass daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell werden kann. Vielleicht wird aus LIV deshalb keine echte Konkurrenz zur PGA Tour mehr, sondern eine kleinere internationale Ergänzungsserie. Das wäre etwas grundlegend anderes als jenes Projekt, das 2022 die bestehende Ordnung des professionellen Golfs verändern sollte. Der Zeitpunkt könnte kaum symbolträchtiger sein. Während die PGA Tour in Atlanta ihren Fedex-Cup-Champion kürt, muss LIV nach vier Jahren nahezu unbegrenzten Geldausgebens beweisen, dass die Idee auch ohne saudische Milliarden funktioniert.2022 fragte sich die Golfwelt, ob LIV Golf die PGA Tour in ihren Grundfesten erschüttern würde. Vier Jahre später lautet die Frage: Kann LIV ohne die Milliarden des saudischen Staatsfonds überhaupt überleben? Scott O’Neil sagt Ja und plant LIV Golf 2.0. Ausgerechnet Greg Norman, der die Serie als erster CEO aufgebaut und jahrelang verteidigt hatte, klingt inzwischen ganz anders. Er sei traurig und enttäuscht über die Entwicklung und würde LIV lieber ganz enden lassen, als die Serie langsam dahinsiechen zu sehen. Wer recht behält, dürfte sich schon in den kommenden Monaten zeigen.
LIV Golf mit neuen Ideen im Überlebenskampf
Seit Saudi-Arabien den Geldhahn zudreht, kämpft LIV Golf ums Überleben. Jetzt sollen die Stars auf Geld verzichten und stattdessen Anteile an der defizitären Serie erwerben. Folgt bald ein Ende mit Schrecken?











