Es begann mit dem direkten Schlagabtausch der beiden Aspiranten auf das Amt des Ministerpräsidenten: Eine halbe Stunde lang standen sich im MDR-Studio Amtsinhaber Sven Schulze (CDU) und Herausforderer Ulrich Siegmund (AfD) gegenüber. Und es ging hitzig los. Die AfD wolle Frauen an den Herd verbannen und die Schulpflicht abschaffen, sagte Schulze. Bei den Kindern, die dann überhaupt noch zur Schule gingen, wolle die Partei zudem in den Geschichtsunterricht hineinregieren. In ihrem Wahlprogramm ist von Hausunterricht und „Mehr 1813 und 1871“ die Rede.Schulze bekräftigte außerdem offensiv sein Nein zu den Rentenplänen der Bundesregierung – obwohl Bundeskanzler Merz am Mittwoch am Rande der Kabinettsklausur ein Machtwort gesprochen hatte. Die Rente mit 45 Beitragsjahren müsse bleiben, so Schulze. Er vertrete nicht Merz’ Linie in Magdeburg, sondern Sachsen-Anhalts Interessen in Berlin.Siegmund hingegen sprach schon in den ersten Minuten sein Lieblingsthema an und sollte es im Laufe des Abends noch einige Male wiederholen: Die illegale Migration müsse eingedämmt werden, so ließe sich auch eine Menge Geld sparen. Und damit nicht genug: Es brauche „Negativmigration“. Unterschiedliche Ansätze gegen hohe Energiepreise Nach schnell vergangenen 30 Minuten stießen auch die übrigen fünf Spitzenkandidatinnen und ‑kandidaten dazu. Erstes Thema: Migration. Dabei zeigte sich ein grundsätzliches Problem der übrigen Parteien im Umgang mit der AfD auf. Mit Ausnahme von BSW-Vertreter Thomas Schulze waren alle so bemüht, Siegmund Paroli zu bieten (etwa wenn dieser die Einführung von Bürgerwehren forderte), dass sie wie ein Block wirkten und unterschiedliche Positionierungen der Parteien kaum sichtbar wurden.Der Themenwechsel hin zu Wirtschaft und dem Umgang mit hohen Energiepreisen bewirkte zumindest eine gewisse Versachlichung der Debatte. Siegmund forderte, man müsse angesichts der unter Druck geratenen Industrie wieder günstiges Gas aus Russland kaufen – eine Meinung, die nur beim BSW auf Zustimmung stieß.Susan Sziborra-Seidlitz von den Grünen betonte, eine Teilung Deutschlands in mehrere Strompreiszonen könne dafür sorgen, dass die Menschen in Ostdeutschland von den vielen Windrädern in ihrer Landschaft auch direkt profitieren, und erntete dafür in der Runde viel zustimmendes Nicken. Ministerpräsident Schulze erklärte, er mache sich in Berlin dafür stark, dass der CO₂‑Preis die Chemieindustrie im Land nicht überfordere. Was tun gegen den Lehrermangel? Nächstes Thema: Bildung. Dass die AfD die Inklusion von Kindern mit Behinderung an Regelschulen komplett beenden will, war nur kurz Thema. Siegmund äußerte sich dazu nicht klar. Sachsen-Anhalt ist stark von Lehrermangel und Unterrichtsausfall betroffen. Wie er den bekämpfen wolle, wollte die Grüne Sziborra-Seidlitz von Sigmund wissen, hakte immer wieder nach. Siegmund sprach von „ideologischer Aufladung der Schulen“ und „fehlenden Sanktionsmöglichkeiten“.Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung.Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern ist bereit, über Formen der Zusammenarbeit mit der CDU zu sprechenSven Schulze betonte, es würden bereits wieder mehr Lehrer eingestellt. Gut 1200 waren es in diesem Jahr. Zieht man diejenigen ab, die aus dem Schuldienst ausschieden, bleibt ein Plus von 164. BSW-Mann Thomas Schulze sagte, andere Bundesländer seien für Lehramtsabsolventen attraktiver, auch, weil es dort mehr Geld gebe. Tatsächlich liegt Sachsen-Anhalt bei Einstiegsgehältern für Lehrer im Bundesländervergleich auf den hinteren Plätzen.Wo im Haushalt am meisten gespart werden könne, wollten die Moderatoren noch wissen. Fast alle waren sich einig: bei den Personalkosten in der Landesverwaltung. Nur noch jede vierte Stelle soll nach den Plänen von Ministerpräsident Schulze nachbesetzt werden – Lehrer und Polizisten ausgenommen. Siegmund hingegen sah das größte Sparpotenzial bei der Migration.Zuletzt blieb noch kurz Zeit für das Thema Koalitionsoptionen. Das Land steuert absehbar auf eine schwierige Lage zu. Die AfD will die alleinige Macht. Reicht es dafür nicht, würde ihr wohl das BSW helfen – so es denn in den Landtag einzieht. „Wir stehen bereit“, sagte deren Spitzenkandidat Thomas Schulze.Sollte es nicht für eine AfD-Regierung reichen, muss die CDU wohl einen neuen Umgang mit ihrem Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linken finden. „Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung“, sagt Linken-Kandidatin Eva von Angern. Sven Schulze schien sich da noch nicht so sicher zu sein: „Ich werde mich niemals von irgendwem abhängig machen“, sagte er.