Robert IdeNachgefragt nach dem Duell bei Ministerpräsident Sven Schulze (CDU):Tagesspiegel: Herr Schulze, wie fanden Sie das Duell heute? Es waren ja alle gegen Herrn Siegmund. Aber wie konnten Sie sich behaupten aus Ihrer eigenen Sicht?Schulze: Das sehe ich so nicht, sondern es ging heute tatsächlich um Inhalte. Und ich fand, gerade das direkte Duell zwischen Herrn Siegmund und mir hat noch einmal klar herausgestellt, dass es Herrn Siegmund immer wieder gut gelingt, Probleme zu beschreiben, aber nie gelingt, auch Probleme zu lösen. Das ist heute wichtig gewesen, und ich hoffe, dass das heute viele Menschen gesehen haben im MDR, weil das noch einmal ein klares Indiz dafür ist, wer denn dieses Land regieren will und wer dieses Land nur nutzen möchte, um in Berlin Einfluss zu bekommen.Tagesspiegel: Haben Sie das Gefühl, Sie können noch etwas tun gegen die Umfragen jetzt?Schulze: Schauen Sie mal, die Umfrage zeigt ja, dass die Mehrheit in diesem Land mich als Ministerpräsident haben möchte. Das ist natürlich Rückenwind auch für den Weg, den ich hier gehe als Ministerpräsident und Spitzenkandidat. Und gleichzeitig ist es auch eine Aussage, dass, wenn man die absolute Mehrheit der AfD verhindern will, mich wählen sollte beziehungsweise auch meine Partei.Tagesspiegel: Vielen Dank!Schulze: Dankeschön!Jan KrüßmannFaktencheckViele Aussagen lassen sich nicht auf der Stelle sorgfältig überprüfen. Aber ich habe eifrig mitgeschrieben und mache mich jetzt an die Arbeit. Einen ausführlichen Faktencheck lesen Sie morgen früh bei tagesspiegel.deRobert IdeNachgefragt nach dem Duell bei Ulrich Siegmund (AfD):Tagesspiegel: Herr Siegmund, wie fanden Sie heute die Debatte? Am Ende war es ja doch: einer gegen alle. Sie konnten sich manchmal nicht so richtig behaupten. Wie haben Sie trotzdem die Debatte heute wahrgenommen angesichts Ihres Vorspungs?Siegmund: An welchem Beispiel machen Sie fest, dass ich mich nicht behaupten konnte?Tagesspiegel: Zum Beispiel an der Frage, wie Sie den Fachkräftemangel bei den Ärzten ohne Migration schaffen wollen. Da gab es so richtig keine Antwort darauf. Trotzdem: Wie haben Sie es empfunden heute?Siegmund: Dann hören Sie sich die Sendung noch mal an. (Siegmund geht)Tagesspiegel: Okay... Danke!Siegmund: Alles Gute!Robert IdeDie Kandierenden haben nach der Runde zügig das MDR-Gebäude verlassen. Auf dem Weg hinaus konnte ich noch mit drei Beteiligten direkt sprechen für den Tagesspiegel. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund brach das Gespräch allerdings schnell ab. Ich dokumentiere hier nachfolgend alle drei kurzen Nachfragen.Stefanie WitteSziborra-Seidlitz sehr stark - sie hat auf den Punkt argumentiert, hat Inhalte wiederholt, statt ziellos Themen herunterzurattern. Von Angern auch fokussiert und immer wieder mit einer betont konstruktiven Haltung.Schulze durchgängig präsidial. Siegmund fand ich auffällig blass, hölzern. Das ist nicht neu bei Formaten dieser Art - man merkt, dass er sich dort nicht so wohlfühlt wie im Wahlkampf unter Fans und mit seinem persönlichen Videoteam. Aber ich bezweifle, dass ihm der Auftritt schadet.Kompromisslosigkeit sei der Weg in ein autoritäres System, hat SPD-Kandidat Willingmann zum Schluss noch gesagt. Am 6. September entscheiden die Sachsen-Anhalter. Wir sind dann wieder vor Ort in Magdeburg und Berlin.Jan KrüßmannMein Eindruck: Sobald die direkte Duellkonstellation aufgehoben war, blieb Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU recht blass. Gerade zum Schluss war es beim Thema Bildung vor allem Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz, die Ulrich Siegmund zu stellen versuchte.Inhaltlich kam zwar beiderseits wenig dabei herum. Für eine Partei, die um die Fünf-Prozent-Hürde kämpft, ist diese Sichtbarkeit aber enorm wertvoll.Robert IdeDas war die Debatte in Magdeburg. Was denkt Ihr, liebe Stefanie und lieber Jan: Wer hat heute hier entscheidende Punkte setzen können?Robert IdeZum Schluss der Debatte geht es um mögliche Machtoptionen. Nach den neuen Umfragezahlen vom Institut Infratest käme die AfD auf 42 Prozent, die CDU nur noch auf 22 Prozent. Im Vergleich zur letzten Umfrage verliert sie damit zwei Prozentpunkte, ebenso wie die Linke – was durchaus eine Überraschung ist –, die nun auf 11 Prozent käme. Etwas dazugewinnen können demnach die SPD mit 8 Prozent (+1) und die Grünen mit 6 Prozent (+1). Mit dieser Konstellation könnte Schulze eine Minderheitsregierung gegen die AfD bilden, müsste sich aber entgegen des Unvereinbarkeitsbeschlusses seiner Partei von der Linken tolerieren lassen. "Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung", sagt die Linke Eva von Angern.Allerdings können schon kleine Verschiebungen wieder alles verändern. Scheitern die Grünen knapp an der Fünf-Prozent-Hürde und fallen aus dem Landtag raus, wäre eine AfD-Alleinregierung wieder möglich. Käme auf der anderen Seite das BSW von Sahra Wagenknecht (das bei dieser Umfrage bei vier Prozent liegt) doch ins Parlament und würde wie angekündigt die AfD tolerieren, wäre eine AfD-Minderheitsregierung möglich. Siegmund hat diese bisher aber ausgeschlossen und tut das auch in der Fernsehdebatte. Thomas Schulze vom BSW bettelt noch einmal um eine Zusammenarbeit mit der AfD: "Wir stehen bereit."Die FDP käme laut der Umfrage aktuell auf 3 Prozent. Sie hat in Sachsen-Anhalt und auch an diesem Abend bisher kein Momentum gefunden. Stefanie WitteDie Diskussion biegt in die Schlussrunde ein. Stichwort Regierbarkeit: Charmante Frage: Zieht Siegmund selbst eine Brandmauer hoch, wenn er auf Alleinregierung setzt und mit niemandem koalieren will? Der AfD-Kandidat argumentiert, dass Parteien zugunsten einer Koalition eigene Inhalte aufgäben.Man könnte es auch Demokratie nennen.Stefanie Witte"Aber Herr Siegmund, Sie müssen doch das Problem lösen", hält Sziborra-Seidlitz dem AfD-Spitzenkandidaten beim Thema Lehrermangel immer wieder entgegen.Einer der wenigen konkreten Punkte des AfD-Spitzenkandidaten: Lehrern müsse mehr Respekt entgegengebracht werden, sie müssten "wieder hart durchgreifen" können. "Gruselig", nennt das von Angern.Stefanie WitteThema Inklusion: Kinder haben das Recht auf einen gemeinsamen Besuch in der Regelschule, betont Sziborra-Seidlitz, und kritisiert hier auch den Ministerpräsidenten. Allerdings soll es in der Debatte weitergehen mit dem Lehrermangel. Schade - hier hätten sich Nachfragen gelohnt.Denn die AfD in Sachsen-Anhalt will Inklusion abschaffen und Kinder mit Behinderung in Förderschulen unterbringen. Außerdem wünscht sie sich einen Schüleraustausch mit Russland, geflüchtete Kinder sollen in „Sonderklassen“ beschult werden.Jan KrüßmannFaktencheckNur rund 50 Prozent der Bürgergeldempfänger in Deutschland sind deutsche Staatsbürger, sagte Ulrich Siegmund. Das ist korrekt. Ein Hintergrund ist, dass ukrainische Geflüchtete nach Beginn des russischen Angriffskriegs keinen Asylantrag stellen mussten und daher keine Asylbewerberleistungen erhalten, sondern Bürgergeld.Neben rund 2,8 Millionen Deutschen beziehen etwa 680.000 Ukrainer Bürgergeld. Dazu kommen rund 480.000 Syrer. Auch aus Afghanistan (200.000), der Türkei (180.000) und Bulgarien (100.000) stammen viele Bürgergeldbezieher.Nicht von den Fakten gedeckt ist hingegen Siegmunds Behauptung, die CDU habe die Hürden für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft gesenkt.Das Gegenteil ist richtig: Die Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte 2024 zeitliche Fristen verkürzt. Voraussetzung zum Erwerb der Staatsbürgerschaft blieb aber, dass Menschen ihren Lebensunterhalt selbstständig bestreiten können. 2025 drehte die schwarz-rote Bundesregierung die Verkürzung der Fristen auf Betreiben von CDU und CSU zum Teil wieder zurück. Robert IdeBildung ist ein in jedem Wahlkampf unterschätztes Thema. Der Lehrermangel schlägt gerade in Flächenländern wie Sachsen-Anhalt heftig durch, eine von 16 Unterrichtsstunden fällt durchschnittlich aus. Inzwischen werden Gymnasiallehrer deshalb auch an andere Schulen geschickt in Sachsen-Anhalt. "Es muss nicht jeder studieren", sagt Ulrich Siegmund, als er nach den Schulformen gefragt wird. "Es studiert auch nicht jeder in diesem Land", entgegnet Armin Willingmann und belegt das als Wissenschaftsminister gleich mit Zahlen. Sein erster starker Moment in der Debatte.Stefanie WitteGeld ist allerdings keines da. Wo wollen die Kandidaten sparen? Siegmund will bei der "illegalen Migration" sparen, in der Verwaltung (wo er "Hunderte Beamte" austauschen will, was teuer bis unmöglich würde) und bei extrem linken Vereinen. Von Angern setzt auf die Vermögenssteuer. Willingmann will bei Neueinstellungen im öffentlichen Sektor sparen, ebenso wie Hüskens. Sziborra-Seidlitz nimmt das auf und fügt teure Beraterverträge hinzu. Schulze (BSW, nicht Ministerpräsident) fügt nichts Neues hinzu.Und jetzt geht es endlich um das Thema Schulen. Ein wichtiges Thema in einem Land, in dem viel Unterricht ausfällt und Schülerinnen und Schüler die Schule abbrechen.Stefanie WitteJetzt geht es tatsächlich um Patentrecht. Kann man machen. Fraglich, ob man damit im Wahlendspurt noch Stimmen gewinnt.Mehr ladenTickarooLive Blog Software