Dem grössten Ärgernis im Stadtverkehr geht es an den Kragen: dem E-TrottinettDer Zürcher Stadtrat verschärft die Regeln für Anbieter von Elektroscootern. Das Parlament legt noch eine Schippe drauf. Ist es das Ende der Mikromobilität?27.08.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenÜber die Hälfte der Zürcher nervt sich über falsch abgestellte Trottinetts.Christian Hartmann / ReutersNein, es sind nicht Velofahrer, die sich um Verkehrsregeln foutieren. Auch nicht lärmige Autoposer oder Fussgänger, die im Schneckentempo unterwegs sind. Am meisten stören sich die Stadtzürcherinnen und -zürcher im täglichen Verkehr an etwas anderem: E-Trottinetts.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In einer Umfrage des Forschungsinstituts GfS aus dem vergangenen Jahr haben 53 Prozent der Teilnehmer angegeben, sich über falsch abgestellte Trottinetts zu ärgern. In keiner anderen Schweizer Stadt ist der Missmut derart gross.«Surrende Störenfriede auf zwei Rädern» wurden die Gefährte schon geschimpft. Seit bald zehn Jahren prägen sie das Zürcher Stadtbild. Doch nun soll es ihnen an den Kragen gehen. Am Mittwochabend hat das Stadtparlament ein Massnahmenpaket der grünen Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart diskutiert – und weitere Verschärfungen gefordert.Whatsapp-Kanal «Verkehrspolitik Zürich»Geht es um Baustellen, Velowege oder Parkplätze, kochen in Zürich die Emotionen hoch. Hier bekommen Sie die wichtigsten News, Debatten und Hintergründe zur Verkehrspolitik.Jetzt kostenlos anmeldenRykart berichtete im Ratssaal von zahlreichen Personen, die sich bei ihr wegen der Trottinetts meldeten. Sie haben «grosses Verständnis» für die Anliegen der Bürger, die heutige Situation sei «unbefriedigend». Vor allem für Menschen mit Behinderung seien Trottinetts, aber auch Leihvelos, die den Weg versperren, eine Gefahr.Zwar habe man schon einiges unternommen, damit es besser werde. So benötigen Verleiher seit 2019 eine Bewilligung und müssen Gebühren bezahlen – «für den gesteigerten Gemeingebrauch des öffentlichen Grundes». Zudem hat die Stadt Fahrverbotszonen und Tempolimiten eingeführt.In Zukunft nur noch 3000 FahrzeugeÜber 7000 Leihfahrzeugen gibt es heute in der Stadt. Zwei Drittel davon sind E-Trottinetts, der Rest entfällt auf E-Bikes und E-Mopeds. Acht Unternehmen teilen sich den Markt auf.Rykart will das Angebot nun drastisch reduzieren: auf 3000 Fahrzeuge. Und nur noch drei Firmen sollen eine Bewilligung erhalten. Bald dürfte es also zu einem Gerangel kommen. Das neue Regime soll bereits im kommenden Jahr eingeführt werden.Zudem rüttelt die Stadt am eigentlichen Erfolgsrezept der E-Trottinetts: dem Free-Floating-Ansatz. In der Innenstadt dürfen Leihfahrzeuge künftig nicht mehr einfach irgendwo abgestellt werden, sondern müssen an fix eingerichteten Stationen deponiert werden. Das Gleiche gilt in anderen «nutzungsintensiven Bereichen der Stadt», zum Beispiel an Bahnhöfen.«Wir wollen die geteilte Mikromobilität nicht aus Zürich verbannen», sagte Rykart. E-Trottis seien Teil einer modernen städtischen Mobilität. «Aber die Nutzer müssen sich an Regeln halten, und die Anbieter sollen Qualität bieten.»Rykarts Regulierungsoffensive kam bei den meisten Parteien im Parlament gut an. Patrick Stählin (GLP) sprach davon, dass der Plan «die Akzeptanz der Mikromobilität in der Stadt insgesamt erhöhen wird». Einzig die SVP nahm den begleitenden Bericht des Stadtrats ablehnend zur Kenntnis.Für Roman Mörgeli (SVP) fehlt es in der Stadt nicht an Regeln, sondern am konsequenten Vollzug. Verstösse müssten häufiger geahndet werden. Wenn man ein E-Trotti auf dem Trottoir parkiert, muss man zum Beispiel heute schon zwingend ein Durchgang von mindestens 1,5 Metern für Fussgänger, Kinderwagen oder Rollstühle freilassen. Vielen Nutzern scheint diese Vorgabe aber nicht bekannt – oder herzlich egal – zu sein.Stationen nur im Zentrum und an BahnhöfenVor allem den linken Parteien gingen Rykarts Vorschläge noch zu wenig weit. SP und Grüne forderten mit einem Postulat, dass nicht nur im zentralen Kreis 1 und an Bahnhöfen fixe Stationen eingerichtet werden sollen, sondern auf dem gesamten Stadtgebiet. Weichen sollen dafür Autoparkplätze.Mit diesem Vorstoss hatten die Linksparteien aber keinen Erfolg. Karin Weyermann (Mitte) wies darauf hin, dass das Angebot mit einer Abkehr vom Free-Floating-Prinzip in den Aussenquartieren weniger attraktiv würde. Zudem würden die zusätzlichen Stationen zu viel Fläche verbrauchen.Auch Martina Zürcher (FDP) warnte vor dem Schritt. Die bisherigen Regulierungen hätten die Lage übrigens bereits merklich verbessert. Sie selbst sei in diesem Sommer jedenfalls seltener als früher über falsch parkierte Trottinetts gestolpert.Ein «Entfernungsdienst» und Daten für die StadtDie Alternative Linke verlangte eine weitere Verschärfung: Heute ist es so, dass Verleihfirmen verpflichtet sind, vorschriftswidrig abgestellte Fahrzeuge innert 24 Stunden vom öffentlichen Grund zu entfernen. Neu soll ein städtischer «Entfernungsdienst» diese Aufgabe sofort nach der ersten Meldung übernehmen. Die Kosten müssen die Verleiher übernehmen. Michael Schmid (AL) meinte: «Jene, die die Unordnung verursachen, müssen auch dafür aufkommen.» Damit überzeugte er eine Mehrheit im Ratssaal.Ebenfalls Erfolg hatte ein gemeinsam eingereichtes Postulat von AL und GLP. Die Verleihfirmen sollen neu Bewegungs- und Nutzungsdaten, die sie sammeln, an die Stadt weiterleiten. Die Daten sollen dann für Auswertungen und unabhängige Verkehrsforschung genutzt werden können. Unter anderem stelle sich die Frage, welche Rolle E-Trottis im Stadtverkehr genau spielen können.Eine Studie des Bundesamts für Strassen kam bereits 2025 zum Schluss, dass Leihfahrzeuge am häufigsten Fusswege ersetzen. An zweiter Stelle folgen Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr.Dass die «surrenden Störenfriede» mittlerweile ihren Platz in der Stadt gefunden haben, zeigt die eingangs zitierte GfS-Umfrage. Über ein Viertel der Stadtzürcher Befragten gab an, das Angebot schon einmal genutzt zu haben. Davon wiederum haben beinahe 20 Prozent im letzten Jahr über zehnmal zum E-Trottinett gegriffen.Welchen Einfluss die nun beschlossenen, neuen Regulierungen haben werden, wird man sehen. Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart jedenfalls zeigt sich fest gewillt, dem «Wildwuchs» Einhalt zu gebieten, wie sie bekräftigte.Passend zum Artikel