Es ist noch gar nicht so lange her, da argumentierten Experten mit Einfluss vor allem auf das linke Spektrum der Bundestagsfraktionen vehement gegen die Entwicklung eines neuen Luftabwehrsystems. Zu den Argumenten zählte, dass eine Raketenbedrohung ohnehin nur von Staaten wie Syrien oder Iran ausgehe. Russland hingegen könne eine solche Beschaffung als gegen sich gerichtet ansehen, was zu Spannungen und Rüstungsspiralen führen werde.Fehleinschätzung der russischen BedrohungOb das damals ins Auge gefasste komplexe und sehr teure System der Weisheit letzter Schluss gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt. Aber diese Argumente dagegen reihten sich ein in eine verbreitete Fehleinschätzung der russischen Bedrohung – auch noch nach Beginn des Proxy-Kriegs Moskaus im Donbas und der Annexion der Krim.Die Ukraine hat nun viereinhalb Kriegsjahre lang zunehmend zu spüren bekommen, wie essenziell eine wirksame Luftverteidigung ist. Es hat sich aber auch gezeigt, dass Systeme wie die amerikanische Patriot, besonders in den neuesten Versionen, auch gegen die Raketenbedrohung durchaus wirkungsvoll sein können.Jetzt steht Kiew, um es mit einer Bundeswehrformulierung zu sagen, mehr oder weniger blank da. Die neuerdings gemeldete Lieferung von „einigen“ Patriots kann nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Für Deutschland kann die Folgerung nur heißen, die durchaus vorhandene eigene industrielle Basis zu stärken, auch durch verlässliche Beschaffungsplanung.