Raiffeisen-CEO Gabriel Brenna streicht 180 Stellen: Was hat der Ex-McKinsey-Berater mit der Genossenschaftsbank vor?Der Bankchef Brenna stellt die Gruppenzentrale neu auf und senkt die Kosten. Dagegen lässt eine Strategie, um die Abhängigkeit vom Hypothekargeschäft zu reduzieren, auf sich warten.26.08.2026, 16.02 Uhr3 LeseminutenUm bei Raiffeisen etwas zu verändern, muss CEO Gabriel Brenna die über 200 Raiffeisen-Banken an Bord haben.llbBei Raiffeisen hat die Ära von Gabriel Brenna endgültig begonnen. Der seit Ende 2025 amtierende CEO hat ein erstes, starkes Zeichen gesetzt: Am Mittwoch gab die Genossenschaftsbank eine Reorganisation und ein Sparprogramm bekannt. Dieses betrifft die zentralen Funktionen, die unter Raiffeisen Schweiz zusammengefasst sind.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Brennas Ziel ist, im Jahr 2027 Kosten in Höhe von 60 Millionen Franken einzusparen. Dafür will der ehemalige Chef der Liechtensteinischen Landesbank und McKinsey-Berater 180 Stellen abbauen. Die Raiffeisen-Führung betont, dass dafür maximal 70 Kündigungen ausgesprochen werden sollen.Betroffen sind hauptsächlich die Standorte St. Gallen und Zürich. Der Rest des Abbaus soll über Fluktuation, Streichung von Vakanzen, Reduktion externer Arbeitskräfte und Frühpensionierungen erfolgen. Die 208 eigenständigen Raiffeisenbanken sind nicht betroffen. Im Gegenteil, in den Regionen soll der Vertrieb gestärkt werden.Neue Departemente, neue ChefsDie Basis für den Erfolg bleibe das dezentrale Genossenschaftsmodell, erklärte Brenna vor den Medien. Dafür hat er eine Veränderung der Organisationsstruktur von Raiffeisen Schweiz angekündigt, um die «Kundenorientierung zu erhöhen» und «umsetzungsstärker» zu werden. Im Zuge dieser Neuaufstellung will er die Bankzentrale in sechs Departemente gliedern. Davon sind zwei dem Vertrieb bei Privat- und Firmenkunden gewidmet. Zudem soll die Zusammenarbeit mit der IT intensiviert werden. Brenna gibt Gas, die neue Struktur gilt ab Oktober.Auch beim Führungspersonal setzt der CEO ein erstes Zeichen und ersetzt zwei Geschäftsleitungsmitglieder. Eine neue Führungskraft kommt von extern in der Person von Patrick Lehner. Er wird das Departement Privatkunden übernehmen. Lehner ist ein altgedienter Credit-Suisse-Manager, der mitunter das Digitalangebot CSX aufgebaut hat. Raiffeisen hat eine lange Geschichte gescheiterter IT-Projekte, die viel Geld verschlungen haben. Die bisherigen GL-Mitglieder Roland Altwegg und Helen Fricker werden die Bank im September verlassen.Für Raiffeisen Schweiz sind die angekündigten Massnahmen einschneidend, auch wenn der Stellenabbau angesichts von 2500 Mitarbeitenden in zentralen Funktionen lediglich 7 Prozent der Belegschaft betrifft. Die letzte Reorganisation bei Raiffeisen Schweiz geht auf das Jahr 2019 zurück. Damals kam es unter Brennas Vorgänger Heinz Huber zu einem Abbau von 200 Stellen, hauptsächlich in Supportfunktionen in der St. Galler Zentrale.Vorbereitung der neuen StrategieBrenna will Ende Jahr eine neue Strategie für die gesamte Bankengruppe vorstellen. Ihre Entwicklung sei fortgeschritten und werde derzeit im Verwaltungsrat besprochen. Es sei entscheidend, dass auch die Raiffeisenbanken hinter der neuen Strategie stünden, sagt der CEO.Offenbar ist die angekündigte Reorganisation als Vorbereitung auf diese neue Strategie zu sehen. Das Gros der Reorganisation soll damit aber auch schon durch sein. «Wir planen keine weiteren strukturellen Massnahmen und auch keinen weiteren Abbau von Personal», sagt Brenna.Der offizielle Grund die Sparübung besteht darin, «das Kosten-Ertrags-Verhältnis nachhaltig auf einem guten Niveau zu halten». Diese Kennzahl, die die Effizienz einer Bank misst, hat sich im Jahresvergleich positiv entwickelt, auch wenn Raiffeisen zusätzliche Kundenberater angestellt hat und der Personalaufwand in letzter Zeit gestiegen ist. Dabei ist der Personalbestand mit 10 989 Vollzeitstellen praktisch konstant geblieben.Wohin die Reise für Raiffeisen strategisch gehen wird, verriet Brenna nicht. Es ist naheliegend anzunehmen, dass auch Brenna das Anlage- und Vorsorgegeschäft forcieren will. Ein Hinweis dafür ist der Aufbau eines internen Aktienresearchs, das derzeit im Gang ist. Eine Studie der Hochschule Luzern kommt zu dem Schluss, dass es für Raiffeisen «strategisch zentral» sei, die Abhängigkeit vom Zinsengeschäft weiter zu reduzieren und das Anlagegeschäft und die Depotvolumen auszubauen.Kein LeidensdruckDas ist ein Unterfangen, das schon Brennas Vorgänger Heinz Huber in Ansätzen verfolgt hat. Fortschritte sind feststellbar. So kam es im ersten Halbjahr zu Vermögenszuflüssen von fast 3 Milliarden Franken in Vermögensverwaltungsmandate. Dank starken Börsen erhöhten sich die Depotvolumen um fast ein Zehntel auf 66 Milliarden Franken.Im Vergleich zum Hauptgeschäft von Raiffeisen, der Immobilienfinanzierung, ist das ein Nebenschauplatz. Mit ausstehenden Hypotheken in Höhe von 235 Milliarden Franken ist Raiffeisen hinter den Kantonalbanken und der UBS die drittgrösste Hypothekenbank der Schweiz. Das Hypothekengeschäft ist ein Selbstläufer.Und dank dem robusten Zinsengeschäft läuft es der Bank seit Jahren sehr gut. Zum Halbjahr hat sie den Gewinn um ein Fünftel auf rund 660 Millionen Franken gesteigert. Der Leidensdruck ist also gering. Umso bemerkenswerter ist Brennas Versuch, die schwerfällige Genossenschaft etwas effizienter und dynamischer zu machen.Passend zum Artikel
Raiffeisen: Ex-McKinsey-Mann Brenna setzt auf Umbau – 180 Jobs fallen weg
Der Bankchef Brenna stellt die Gruppenzentrale neu auf und senkt die Kosten. Dagegen lässt eine Strategie, um die Abhängigkeit vom Hypothekargeschäft zu reduzieren, auf sich warten.






