Das russische Regime weitet seine Kampagne gegen den Balkan-Korrespondenten der F.A.Z. aus. Ein Gericht in Moskau ordnete am Mittwoch an, Michael Martens „in Abwesenheit zu verhaften“, meldete die Staatsnachrichtenagentur TASS. Martens ist nun international zur Fahndung ausgeschrieben. Schon zuvor hatte ihn das russische Regime landesweit zur Fahndung ausgeschrieben. Es wirft Martens vor, „Hass oder Feindseligkeit geschürt“ zu haben.Anlass ist eine Frage, die er am 8. August auf einer Pressekonferenz gestellt hatte, als der Präsident Serbiens, Aleksandar Vučić, den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, in Belgrad empfing. Martens hatte Selenskyj gefragt: „Was können wir Europäer tun, um der Ukraine zu helfen, mehr Russen zu töten, russische Soldaten natürlich?“ Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete dies als Aufruf zur Tötung von Russen. Das sei „unzulässig“ und „kriminell“.Die F.A.Z. erklärte daraufhin, die Frage sei missverständlich formuliert gewesen. „Wir haben dies klargestellt und die Formulierung bedauert“, hieß es in der Erklärung. Es sei nicht die redaktionelle Linie der Zeitung, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten. Nach russischem Recht drohen Martens bis zu sechs Jahre Haft.Bei Interpol, dem internationalen Zusammenschluss von Polizeibehörden, war zunächst kein Eintrag zu dem Balkan-Korrespondenten der F.A.Z. zu finden.