Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Die Ostdeutsche Allgemeine und die Berliner Zeitung geben allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.

Diese Frage quält den Ostberliner Ich-Erzähler bereits im ersten, der acht als Miniaturen ausgegebenen Textblöcke: Wie lange braucht man, um Westler zu werden? Da schlendert er gerade vom Lehrter Bahnhof kommend durch das alte von der Mauer gezeichnete Berlin und erklimmt eines der Holzpodeste am Brandenburger Tor. Von hier aus öffnet sich wie für Zoobesucher ein Blick über die Mauer in den großen Käfig. Nur sind dort keine wilden Tiere, sondern seine Landsleute zu sehen.

Ein merkwürdiges Gefühl muss den Mann beschleichen, der einiges auf sich nimmt für diesen Blick. Denn nach jahrelangem Antragstellen hat er nur ein Visum für die Bundesrepublik erhalten, nicht aber für die andere Hälfte seiner Stadt. Mit dem Geld der Patentante fliegt er unerlaubt und unbehelligt von den DDR-Grenzbehörden von München aus in die „selbständige politische Einheit Westberlin“, wie es offiziell heißt, um dann den gleichen Weg zurückzunehmen. Mit präzise gesetzten Worten beschreibt Fritz die Absurditäten deutsch-deutscher Realität, die auch sein Leben gezeichnet haben.