Jaume Claret Muxart verwandelt in seinem Spielfilmdebüt eine Familienradtour in eine traumwandlerische Coming-of-Age-Erzählung über einen queeren 16-Jährigen.

Der junge Unbekannte (Francesco Wenz) und Dídac (Jan Monter Palau) freunden sich in „Strange River“ im Urlaub an

Salzgeber

Das Ende des Kinosommers umweht noch einmal ein Hauch griechischer Mythologie. Während Christopher Nolan in einer antikriegerischen Adaption der Odyssee finster die großen olympischen Gottheiten anrufen lässt, werfen in „Strange River“ lieblichere Gestalten ihre Schatten. Statt Athene, Poseidon und Zeus lässt der katalanische Filmemacher Jaume Claret Muxart in seinem ätherischen Spielfilmdebüt an Ganymed, Hyakinthos, Narziss und andere Hausgötter der schwulen Ikonografie denken.

An ihre schwelgerischen Bildnisse fühlt man sich erinnert, wenn der 16-jährige Dídac (Jan Monter Palau) während einer Fahrradtour mit seiner Familie plötzlich von den Erscheinungen eines jungen Mannes (Francesco Wenz) in den Bann gezogen wird. Ob der Unbekannte tatsächlich nackt unter der glitzernden Oberfläche der Donau treibt oder allein in der Fantasie des Jugendlichen existiert, bleibt im Ungefähren. Ohnehin ist „Strange River“ ein Film, der sich der Kraft des Traumähnlichen und des schönen Sehnens selbst verschrieben hat.