Sandro Veronesi entfaltet ein Coming-of-Age-Drama am italienischen Mittelmeer. Es spielt vor dem historischen Hintergrund des Olympia-Attentats 1972.

Coming-of-Age in Sanremo

Ullrich Gnoth/imago

Italien, Sommer 1972. Der 12-jährige Gigio verbringt den Sommer an der toskanischen Küste von Versilia. Zusammen mit seiner kleinen Schwester Gilda muss er sich dem strengen Sonnenschutzregiment seiner irisch-rothaarigen Mutter unterwerfen. Solange sein Vater, ein segelsportbesessener Staatsanwalt, von der Arbeit in Florenz festgehalten wird, retten Gigio nur seine „Linus“-Comic-Hefte über die langweiligen Schattenzwangspausen im Haus. Nicht einmal Musik kann er hören, der neue tragbare Plattenspieler, sein ganzer Stolz, ist zu Hause geblieben.

Zum Glück kommt der undurchsichtige Onkel Giotti aus Amerika zu Besuch. Er amüsiert die Geschwister mit seiner Marotte, immer etwas Essen auf dem Teller zu lassen (eine Angewohnheit aus einem Gefängnishungerstreik, wie es heißt), und leistet Gigio in seiner nerdigen Begeisterung für alle Arten von Sportübertragungen Gesellschaft: Ob Schach, Radsport am Radio oder der Große Preis der Formel 1 im Fernsehen, der ältere Mann und der Heranwachsende widmen sich mit größter Ernsthaftigkeit der Saison.