PfadnavigationHomePanoramaBayernWeil einem Kunden zehn Gramm fehlten, zahlte ein Bäcker 15.000 EuroStand: 12:36 UhrLesedauer: 2 MinutenNach einer Kundenbeschwerde rückt in einer oberbayerischen Bäckerei das Eichamt an – und stoppt den Verkauf halber Brote. Der Bäcker müsse zunächst mit Präzisionswaagen nachrüsten. Kostenpunkt: rund 15.000 Euro.Ein Kunde eines Bäckers in Pfaffenhofen an der Ilm wog sein halbes Brot und beschwerte sich wegen fehlender zehn Gramm. Dann rückte das Eichamt an. Der Bäcker musste umrüsten – und bereut, nicht anders reagiert zu haben.Zwei Stückchen Brot, „ein größerer Bissen“, wie eine Mitarbeiterin sagt, haben eine Bäckerei im bayerischen Pfaffenhofen an der Ilm 15.000 Euro gekostet. 66 Jahre lang habe die Bäckerei Breitner ihre Brote halbiert und dann zum halben Preis verkauft. Bis im vergangenen Jahr ein Kunde zu Hause sein halbes Brot wog und feststellte: Es fehlten zehn Gramm.„Ich hab ihn nicht ernst genommen“, erzählt Bäckermeister Matthias Breitner gegenüber WELT TV. Auf die Beschwerde des Kunden habe er geantwortet: „Na ja, das nächste Mal werden’s 20 Gramm mehr. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man.“ Der Kunde habe erbost geantwortet: „Das wird Konsequenzen haben!“Die Konsequenzen hatten es in sich. Das Eichamt untersagte der Bäckerei den Verkauf halber Brote. Breitner musste neue, besonders präzise Waagen kaufen und Software beschaffen, die die Waagen mit den Kassen verknüpft. So soll ein grammgenauer Verkauf der halbierten Brote sichergestellt werden. Die neun Waagen zu je 1500 Euro, die Software und die Arbeitsstunden haben den Bäcker nach eigenen Angaben rund 15.000 Euro gekostet.Lesen Sie auchBesonders absurd findet Breitner: „Wenn ich in der Backstube ein Brot halbiere und dann in den Laden bringe, darf ich es zum halben Preis verkaufen, ohne es zu wiegen. Wenn ich es aber vor dem Kunden schneide, muss ich es wiegen“, erklärte er im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“. Aber er wolle nicht lauter halbe Brote im Laden liegen haben, weil die austrockneten.Also kostet das halbe Brot nun mal 2,63 Euro, mal 2,57 Euro. Was für den Bäcker nicht nur mehr Aufwand, sondern auch mehr Kosten bedeutet, denn: „Meine Kasse quillt mittlerweile über mit Ein- und Zwei-Cent-Stücken. Wenn ich die bei der Bank einzahle, kostet das extra“, sagte er der „SZ“.Manche Kunden wollten auf das Wiegen verzichten, böten sogar eine schriftliche Erklärung an. Doch die Bäckerei darf das nicht annehmen. Die frisch geschnittenen halben Brote müssen gewogen werden. So schreibt es laut „Bild“ die Fertigpackungsverordnung (FPackV) seit 2020 vor.Lesen Sie auchIm Nachhinein bereut Breitner, dem Kunden damals nicht einfach ein halbes Brot geschenkt zu haben. Dann wäre die Sache wahrscheinlich erledigt gewesen, glaubt er. Ob es für den kleinlichen Kunden auch Konsequenzen gab? „Ganz ehrlich, wenn ich ihn wiedererkennen würde, würde ich ihm Hausverbot erteilen.“lfb