Manchmal wollen Kunden einer Bäckerei nur ein halbes Brot kaufen, dann schneidet eine Brotmaschine das Brot in zwei Hälften und der Bäcker verlangt jeweils den halben Preis. So auch im Familienbetrieb der Bäckerei Breitner in Pfaffenhofen an der Ilm – bis ein Kunde zu Hause nachwog. Für die Traditionsbäckerei endete das teuer. Ein Gespräch mit dem Bäckermeister Mathias Breitner, der nun ganz genau weiß, wie teuer seine Hälften sein müssen.SZ: Hallo Herr Breitner, wie viel kostet ein halbes Brot bei Ihnen heute?Mathias Breitner: Heute wird es grammgenau verkauft. Früher waren es 2,40 Euro für eine Hälfte – also für etwa 490 bis 510 Gramm.Wie kommt es dazu, dass es jetzt so genau gewogen wird?Wir hatten einen Kunden da, letztes Jahr, der hat ein halbes Brot gekauft und kam dann zurück in den Laden. Er hat sich furchtbar aufgeregt, es fehlten ihm zehn Gramm. Ich habe den nicht ganz ernst genommen und lapidar gesagt: „Ja, manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, nächstes Mal sind es sicher 20 Gramm mehr.“ Daraufhin ist er wutentbrannt aus dem Laden gerannt und hat gerufen: „Das wird Konsequenzen haben!“ Die Konsequenzen habe ich jetzt.Zehn Gramm? Wie viele Brotscheiben sind das denn?Ungefähr eine halbe Brotscheibe.Und welche Konsequenzen folgten für Sie?Das Eichamt hat mir untersagt, halbe Brote zu verkaufen. Zumindest, solange ich keine geeichten Waagen habe. Der Irrsinn ist eigentlich der: Wenn ich in der Backstube ein Brot halbiere und dann in den Laden bringe, darf ich es zum halben Preis verkaufen, ohne es zu wiegen. Wenn ich es aber vor dem Kunden schneide, muss ich es wiegen. Aber ich will natürlich nicht lauter halbe Brote im Laden liegen haben, weil die austrocknen. Also haben wir uns entschieden, Waagen anzuschaffen.Und wie teuer waren die?Es war ja nicht nur eine Waage, die ich mir für unsere Filialen anschaffen musste, sondern neun für jeweils 1500 Euro. Und dazu brauche ich noch entsprechende Software und die Kassenanbindung. Am Ende habe ich 15 000 Euro bezahlt, plus Arbeitszeit von mir und meinen Leuten.Teuer. Und was ist das mit der Kassenanbindung?Na, die Waage ist eben mit der Kasse verbunden. Das heißt, ich lege das Brot drauf, tippe auf der Kasse die entsprechende Sorte an und die Kasse sagt mir auf den Cent genau, wie viel ich verlangen darf.Also bekommt man noch immer keine perfekte Hälfte?Nein, seitdem wir die Brote abwiegen, haben die Hälften halt Differenzen zwischen zwei und drei Cent. Und unsere Kunden regen sich auf, dass es keine glatten Summen mehr gibt. Manche fragen, ob sie es auch ungewogen kaufen können.Klingt sehr aufwendig.Genau, und es gibt noch einen zweiten Nachteil. Meine Kasse quillt mittlerweile über mit Ein- und Zwei-Cent-Stücken. Wenn ich die bei der Bank einzahle, kostet das extra.Und wie ist es mit Ihrem nörgeligen Kunden weitergegangen?Ganz ehrlich, wenn ich ihn wiedererkennen würde, würde ich ihm Hausverbot erteilen. Rückblickend war mein Fehler, dass ich ihm nicht einfach ein halbes Brot geschenkt habe. Dann wäre die Sache wahrscheinlich geklärt gewesen.Hat Sie der Vorfall denn auch irgendwie verändert?Ich überlege gerade. Ich habe auch noch nie das Silofahrzeug, das uns Mehl liefert, nachkontrolliert. Ich sollte nachwiegen, ob die mir auch wirklich vier Tonnen Mehl liefern.Weitere Folgen der Serie „Ein Anruf bei …“ finden Sie hier.
Ein Anruf bei einem Bäckermeister, der wegen zehn Gramm Teig Ärger bekam
Bäckermeister Mathias Breitner aus Pfaffenhofen an der Ilm hat einem Kunden ein halbes Brot verkauft, ohne es zu wiegen. Das hatte Folgen.









