Die Brandmauern mögen bröckeln, aber die Blasen in unserer Gesellschaft erweisen sich doch als zäh. Besonders die Häute zwischen den städtischen Eliten und den ländlichen Steuerbürgern sind kaum durchlässig. In Anlehnung an den Bitterfelder Weg, bei dem seit den Sechzigern das DDR-Proletariat als kreatives Subjekt auftreten und der Kumpel zur Feder greifen sollte, lautete ein Motto der ersten Ausgabe des Osten-Festivals 2022: „Komm aus deiner Blase, Kumpel!“ Ein paar Kuratoren und Künstler suchten sich die Industriebrachen des Ostens als Spielwiesen aus, um Angebote für die Dortgebliebenen zu platzieren.

Sie nennen in leicht formelhafter Bescheidenheit ihren Anspruch im Untertitel: „Festival für Kunst und gegenseitiges Interesse“. Anders als andere Festivals, die mit ihren Ufos wie Aliens einfallen, wollen sich die Osten-Leute fester mit der Zivilgesellschaft verbinden, örtliche Initiativen inspirieren und stärken. Sie interessieren sich für diese Gegend in Sachsen-Anhalt, die sich gerade von einem aufgerissenen, lange malträtierten und verseuchten Landstrich zu einem dünn besiedelten Naherholungsgebiet verwandelt. Sie suchen nach Spielorten mit symbolischer Kraft. In der abgewickelten Industrieregion stecken standortspezifische Geschichten, in denen zwar hoffnungsvolle Aufbrüche und Anfänge von Utopien summen, die aber inzwischen oft einen deprimierenden Tiefpunkt erreicht haben. Wie kann es weitergehen?