Aus den Kriegen nach dem 11. September 2001 gingen Hunderttausende Veteranen hervor, die bleibende Schäden davongetragen haben. Eine Reportage.Alles, was Sergeant Lundy noch sieht, ist ein helles, weisses Licht. Dann wird es finster. Völlige Dunkelheit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auf den Ohren hat er ein Klingeln, er hört Schreie, Stimmen, die sich nähern. «Ich muss aufwachen», denkt der junge Unteroffizier nur. Immer wieder: «Wach auf, wach auf, das ist ein böser Traum.»Earl Lundy III diente als Fallschirmjäger in der berühmten 82nd Airborne Division.Er kommt zu sich, will sich bewegen, es geht nicht. Sein Bein ist unter einem Stahlträger eingeklemmt. Er werde nie wieder gehen können, wird ein Arzt später zu ihm sagen. Das Bein sei kaum zu retten. Doch er hat noch Glück gehabt.Ein Selbstmordattentäter ist mit einer Bombe in den Stützpunkt gefahren, über Lundy ist das ganze Gebäude eingestürzt. Der Balken, der seinen Oberschenkel zu zerquetschen droht, hat ihm, der als Koch in der 82nd Airborne Division dient, das Leben gerettet.Earl Lundy III ist ein «All American», wie die berühmten Fallschirmjäger auch heissen. Genauso wie sein Vater vor ihm und der Grossvater davor. Für den Jungen aus South Carolina kam keine andere Truppe infrage.Die Terroranschläge vom 11. September, die er noch in der Schule miterlebte, machten ihm erst recht deutlich, dass ihn sein Land braucht. Nach dem Abschluss meldet er sich zum Militär.Nie wird er vergessen, wie ihm sein Vater den «All American»-Badge ansteckt; der Grossvater salutiert. Dann, nach gut einem halben Jahr, kommt der Marschbefehl.Fast vierzehn Monate ist er in Afghanistan im Einsatz, als er an jenem verhängnisvollen Tag in der Küche des Stützpunktes steht und die Verpflegung für den nächsten Einsatz vorbereiten will.Der erste deutsche SelbstmordattentäterDie Bombe kommt im Jingle-Truck. So nennen die amerikanischen Truppen in Afghanistan die prachtvoll dekorierten LKW, die sich mit Glöckchen und klimpernden Ketten wie der Schlitten des Weihnachtsmannes ankündigen. Dieser Jingle-Truck, der sich in der ostafghanischen Provinz einem Aussenlager der amerikanischen Truppen nähert, bringt Tod und Zerstörung.Im LKW sitzt ein türkischstämmiger Familienvater, der in Bayern geboren wurde. Es ist der erste Selbstmordanschlag eines deutschen Islamisten.Beim Harris County War Memorial wird der gefallenen amerikanischen Soldaten gedacht.Kunst kann für die Verarbeitung von Traumata hilfreich sein.Die Explosion ist so stark, dass ein Humvee, eines dieser klassischen Geländefahrzeuge der US-Army, in das Gebäude hineinkatapultiert wird. Der Wagen landet praktisch auf Lundy. Er sei unter drei Metern Schutt begraben gewesen, sagt er. Fünf Stunden sollte es dauern, bis ihn die Kollegen geborgen hatten.Daran erinnert er sich an einem tropisch heissen Augustnachmittag in Houston, Texas, wo er heute lebt. Auf einer Parkbank beim Harris County War Memorial, das der gefallenen amerikanischen Soldaten gedenkt, ruft er sich den 3. März 2008 ins Gedächtnis.Zwei Afghanen und zwei amerikanische Soldaten sind damals ums Leben gekommen. Einer der Soldaten stand unmittelbar hinter Lundy in der Küche. «Er war auf der Stelle tot, es hat ihm das Genick gebrochen», sagt der Sergeant und hält kurz inne. «Er war jünger als ich. Als Überlebender fühlst du dich schuldig.»Auf Sanitäter wird zuerst geschossenSchuldig – es ist ein Gefühl, das auch Tiffany Macdonald kennt. Sie war im Irak und in Afghanistan stationiert, und als sie von ihren Einsätzen zurückkam, waren ihre Schuldgefühle so stark, dass sie versuchte, sich das Leben zu nehmen.«In meinem Kopf machte ich mir die grössten Vorwürfe, als Sanitäterin versagt zu haben», sagt die Texanerin, die nach den Anschlägen vom 11. September dem Land dienen wollte.«Sie haben immer versucht, die Sanitäter zuerst zu töten»: Tiffany Macdonald diente in Afghanistan und im Irak.In ihrer Familie, erklärt sie, gehe man entweder ins Militär, zur Polizei oder man arbeite in einer Klinik. Sie entschied sich für die Armee, wurde Flugsanitäterin für Kampfeinsätze. Der Irak, so sagt Macdonald lakonisch, sei nicht allzu intensiv gewesen. Die meiste Zeit habe sie im Stützpunkt verbracht und Verwundete versorgt. «Die grösste Gefahr war der Mörserbeschuss, aber daran gewöhnt man sich.»Anders Afghanistan: Unter feindlichem Feuer wurde sie in sogenannte «hot landing zones» geflogen. Dort sei gezielt auf die Sanitäter geschossen worden, sagt sie. «Sie haben immer versucht, die Sanitäter zuerst zu töten, damit wir den Verletzten nicht würden helfen können.»Tiffany Macdonald rettete zahlreichen Soldaten das Leben. Doch für sich selber sah sie nach dem Krieg keine Hoffnung mehr. «Für mich zählte nicht, wie vielen ich geholfen hatte», sagt sie. «Woran ich dachte, waren die, die in meinen Händen gestorben sind.» Besonders eine Erinnerung hat sie über viele Jahre verfolgt.Der Freund erstickte langsamSie hatte sich in Afghanistan, an der Grenze zu Pakistan, mit dem Angestellten einer kleinen Wäscherei angefreundet. Dann, eines frühen Morgens, wurde der Mann schwer verletzt in die Basis gebracht. Auf dem Weg zur Arbeit hatte eine Sprengfalle seinen Mitarbeiter und ihn erwischt. «Mein Freund», so nennt ihn Macdonald, «sass am Steuer. Die Explosion traf ihn voll.»Von der Brust an aufwärts hatte er schwerste Brandwunden, seine Atmung versagte zusehends. Im Helikopter zum Hauptquartier gelang zwar noch der Luftröhrenschnitt. Aber die Schwellung in seiner Brust war zu gross. «Er bekam einfach keine Luft», erinnert sich die Sanitäterin. Er erstickte langsam. «Ich sass da und hielt seine Hand.»Erst in der Rehabilitation bei Warriors Heart gelang es Macdonald, die Erinnerung an den Krieg zu verarbeiten.Auch eine Metallwerkstatt steht den versehrten Veteranen in Bandera im Gliedstaat Texas zur Verfügung.Als sie im Lager landeten, in Camp Hero in Kandahar, wurde ihnen der Mann abgenommen. Macdonald sah, wie er unsanft auf die Rückbank eines Trucks geworfen wurde. «Ich sprang vom Helikopter, was ich nicht tun durfte, und hielt den Beifahrer zurück: ‹Hey, nicht so!›» Dann drückte sie ihm eine Sauerstoffmaske für ihren Freund in die Hand. «Aber es war aussichtslos, er hat es nicht geschafft.»Zurück in den USA, konnte Macdonald die Erinnerung nicht abschütteln. «Ich konnte nicht aufhören, sein Gesicht zu sehen», sagt sie. «Ich sehe die Tränen in seinen Augen und wie ich neben ihm sass und wusste, dass ich nichts tun konnte.»Das erste Mal, als sich Tiffany Macdonald das Leben nehmen wollte, wurde ihr im letzten Moment die Waffe entrissen. Das zweite Mal trank sie sich fast zu Tode. Ihre Lungen versagten, aber im Krankenhaus konnten die Ärzte sie noch retten.Nur hörte sie auch danach nicht auf, zu trinken. Einmal klebte ihre kleine Tochter einen Zettel auf den Tequila: «Warum ziehst du die Flasche mir vor?», stand darauf. «Ich habe sie trotzdem getrunken», sagt Macdonald. «Ich habe geweint, während ich gleichzeitig die Flasche leerte.»Alkohol, Drogen, SchlägereienSie trank nicht nur, weil sie vergessen wollte. Eher war das Trauma eine willkommene Ausrede, um weiterzutrinken. Denn wenn sie ehrlich mit sich war, wusste Macdonald, dass sie schon ein Alkoholproblem hatte, lange bevor sie zum Militär ging.Genauso wie auch Michael O’Dell, der schon als 13-Jähriger mit dem Trinken angefangen hatte – und Jahrzehnte später, nachdem er als Marine im Irak gekämpft hatte, im Gefängnis landete.Michael O’Dell verlor die Kontrolle über sein Leben. Fünf Jahre nach dem Ende seines Militärdiensts fand sich der Vater eines zweijährigen Jungen im Gefängnis.«Das Marine Corps sagte: ‹Wir sind fertig mit dir, danke für deinen Dienst›», erinnert er sich. Er bekam ein Flugticket in die Hand gedrückt und sass kurz darauf mit einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung zu Hause.Er habe völlig die Kontrolle über sein Leben verloren. Alkohol, Drogen, Schlägereien, einen Autounfall hatte er im Suff auch verursacht: Etwa dreissig Mal, nicht übertrieben, sei er verhaftet worden. Gut fünf Jahre nach dem Ende seines Militärdiensts fand sich der Vater eines zweijährigen Jungen im Gefängnis. Zwei Jahre verbrachte er hinter Gittern.Was ihn verfolgte, waren nicht die Kampfhandlungen, die er im Irak erlebt hatte. «Dafür waren wir ausgebildet worden.» Schiessen, beschossen werden: Damit konnte der Infanterist umgehen. «Wofür wir nicht ausgebildet waren, war der Umgang mit dem Selbstmord eines anderen Marinesoldaten.»Auf der Toilette in den Kopf geschossenIn Ramadi, westlich von Bagdad, beschloss ein Freund von Michael O’Dell, sich das Leben zu nehmen. «Wir waren von einem Einsatz zurückgekommen und hatten uns gerade schlafen gelegt, als wir Schüsse hörten.» Im ersten Moment hätten sie an einen Angriff gedacht. Aber es war der Gefreite Spencer, der sich auf der Toilette in den Kopf geschossen hatte. O’Dell sagt: «Ich brauchte lange, bis mir klar wurde, dass ich nichts hätte tun können.»Der Moment kam erst, als er sich, viele Jahre später, einem Zellengenossen anvertraute. Zum Ende seiner Haft war er in ein Gefängnis verlegt worden, wo er auf seine Freilassung vorbereitet wurde. Eine winzige Zelle. Mit ausgestreckten Armen habe man praktisch die Wände berühren können, sagt er. Der andere Häftling hatte zwanzig Jahre abgesessen. Auch er ein trockener Alkoholiker.«Ich spürte plötzlich den Drang, diesem Mann alles zu erzählen», sagt O’Dell. «Ich sass da und redete. Wir redeten zwölf Stunden lang.» In diesem Moment hätten all die belastenden Erinnerungen ihre Macht über ihn verloren, sagt er. «Sie hatten plötzlich kein Gewicht mehr, keine Kontrolle über mein Leben.» Das Gespräch im Gefängnis ist zehn Jahre her, seither ist Michael O’Dell trocken.Die Reha-Ranch in TexasAls er davon erzählt, sitzt er in einem Buggy, wie man ihn von einem Golfplatz kennt. Er steuert das Fahrzeug aber nicht über eine Golfanlage, sondern über das weite Grün im hügeligen Texas Hill Country nordwestlich von San Antonio.Warriors Heart heisst die Ranch in der Kleinstadt Bandera, die sich über ein Gelände erstreckt, das ungefähr fünfmal so gross wie der Vatikan ist. Bis zu hundert Warriors werden hier in einem sechswöchigen Programm für psychische Verletzungen und Suchterkrankungen behandelt. Die meisten, so sagt O’Dell, seien Veteranen aus den Kriegen nach dem 11. September 2001.Noch 25 Jahre nach dem 11. September 2001 rufen Ersthelfer aus New York bei Warriors Heart an. Sie brauchen Hilfe.Aus alten Eisenbahnnägeln gefertigt: In einem Workshop lernen die Veteranen, dass sich aus ausrangierten Materialien etwas Nützliches und Schönes machen lässt.Der Mann, der nach seinem Gefängnisaufenthalt die Kontrolle über sein Leben zurückgewonnen hat, ist heute operativer Geschäftsführer von Warriors Heart. In dem Reha-Zentrum werden kriegsversehrte Menschen therapiert, aber auch Ersthelfer von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdiensten.O’Dell hat alles gesehen. Vietnamveteranen, die noch nach Jahrzehnten unter ihren Einsätzen leiden, Soldaten, die verstört aus dem Einsatz kommen, Polizeibeamte, die grausame Verbrechen verarbeiten. Aber der Grossteil der Patienten, so sagt er, seien Männer und Frauen, die um die 45 Jahre alt seien. Sie waren gerade volljährig, als sie sich nach Nine-Eleven zum Militär meldeten. «Heute holt es sie ein.»Vor ein paar Monaten, so erinnert sich O’Dell, seien zudem Zivilisten hier gewesen. Sie hatten nach den Terroranschlägen vom 11. September Erste Hilfe geleistet. «Noch 25 Jahre danach bekommen wir solche Anrufe», sagt er.Veteranen beim YogaTiffany Macdonald, die sich als Suchtkranke 2019 in die Klinik hatte einweisen lassen, arbeitet ebenfalls auf der Ranch, sie ist eine der Betreuerinnen. Der Grossteil der Mitarbeiter von Warriors Heart hat eigene Traumata verarbeitet. «Von Veteranen für Veteranen», so verspricht es die Organisation, die auch eine kleinere Anlage in Virginia betreibt.Die Landschaft in Texas ist idyllisch, ein See, kleinere Waldstücke. Wahlweise gibt es Yoga, Fischen, auch Kunstworkshops und Metallarbeiten werden angeboten. Es klingt nach einem Retreat. Doch der Freizeitgestaltung geht ein hartes Entzugsprogramm voraus. Alkohol- und Drogensucht werden therapiert, Medikamentenabhängigkeit, auch Schädel-Hirn-Trauma.Viele Menschen, die hierherkämen, seien verängstigt und nervös, sagt Macdonald. «Sie sind verzweifelt und voller Scham, dass ihr Leben an diesem Punkt angelangt ist.» Wer gekämpft habe oder Ersthelfer gewesen sei, so fügt sie hinzu, besitze eine stolze Persönlichkeit. «Wir sind ‹Alphas›. Wir sind es nicht gewohnt, um Hilfe bitten zu müssen.»Der Grossteil der Mitarbeiter von Warriors Heart hat eigene Traumata verarbeitet: Macdonald und O’Dell gehören zu ihnen.Seit der Gründung vor zehn Jahren haben sich über 4500 Frauen und Männer in der Einrichtung angemeldet. Für Patienten, die nicht ausreichend versichert sind, übernimmt eine Stiftung die Kosten von mehreren zehntausend Dollar, die bei der 42-tägigen Rundumversorgung anfallen. Es sind Menschen, die nicht weiterwissen. Sie sind kaum mehr gesellschaftsfähig, nicht selten suizidgefährdet.Die Angst vor der AmputationAuch Earl Lundy III war ganz unten. Nach dem Anschlag in Afghanistan verbrachte er zwei Monate in einem Militärkrankenhaus in Deutschland. Die meiste Zeit war er mit Medikamenten vollgepumpt, oft sei er kaum bei Bewusstsein gewesen, sagt er. Jemand kam in das Krankenhaus, um ihn mit dem Purple Heart, der Ehrung für Verwundete, auszuzeichnen. Er hat keine Erinnerung daran. Es interessierte ihn nicht. Seine Sorge war, dass er sein Bein verlieren könnte.Auch zurück in den USA, lebte er täglich mit diesem Gedanken. Die Durchblutung blieb ungenügend, er musste eine spezielle Schiene tragen. Nicht nach Wochen oder Monaten, sondern erst nach zwei Jahren erklärten ihm die Ärzte, dass sie definitiv nicht amputieren müssten.Aber genesen war er danach noch lange nicht. Lundy litt auch an den psychischen Folgen seines Einsatzes. Schlaflosigkeit, Albträume, Wutanfälle. Wie aus Trotz begann er zu laufen. Der Mann, dem ein Arzt gesagt hatte, dass er nie wieder gehen könnte, lief von San Antonio nach Houston, das sind knapp 350 Kilometer. Fast so weit war auch die Strecke von Austin nach Houston. Er lief tagelang.Doch es dauerte, bis er realisierte, dass er vor seinen Erinnerungen nicht davonlaufen konnte. Etwa zehn Jahre nach seiner Verwundung, so sagt er, habe er sein Leben wieder im Griff gehabt. Auch er fing an, sich für andere Veteranen zu engagieren. «Das gab meinem Leben wieder Sinn.»«Das gab meinem Leben wieder Sinn»: Bei der Organisation Combined Arms engagierte sich Earl Lundy III für andere Veteranen.In der idyllischen Landschaft im Texas Hill Country können sich die Veteranen erholen.Heute arbeitet Lundy für das Netzwerk Combined Arms, das er als «Amazon für Veteranen» beschreibt. Von finanzieller Unterstützung über Wohnungs- oder auch Obdachlosenhilfe bietet die Organisation den Kriegsheimkehrern Orientierung.Zweieinhalb Millionen GeschichtenGenauso wie die Geschichten von Tiffany Macdonald und Michael O’Dell steht jene von Earl Lundy für das Leid unzähliger Soldaten, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 dienten. Etwa zweieinhalb Millionen Amerikaner kämpften im «War on Terror».Mehr als 52 000 wurden in den Einsätzen in Afghanistan und im Irak, aber auch bei Anti-Terror-Missionen in Afrika verwundet. Über vierzig Prozent leben heute mit einer staatlich anerkannten Behinderung aus der Dienstzeit.Verglichen mit früheren Kriegen, etwa dem Golfkrieg von 1991, ist der Anteil der versehrten Veteranen enorm hoch. Ein Grund dafür ist der Einsatz von versteckten Sprengfallen durch die Taliban in Afghanistan und al-Kaida im Irak. Ihre asymmetrische Kriegsführung sorgte neben Tod und Verstümmelungen für unzählige Gehirnverletzungen, die oft lange unentdeckt blieben und dauerhafte Schäden hinterliessen.Hinzu kommt, dass die Heimkehrer – ähnlich wie die Veteranen nach dem Fiasko in Vietnam – wenig Anerkennung erfahren haben. Die mentale Verfassung vieler Soldaten leidet darunter, dass die Einsätze, bei denen sie ihr Leben riskierten, als gescheitert gelten. Und sie erleben, wie eine Generation von Politikern an die Macht kommt, die kaum noch einen Bezug zu den Terroranschlägen hat. Oder sie gar zu relativieren scheinen – wie Zohran Mamdani.Dem Bürgermeister von New York wird vorgeworfen, Nine-Eleven als Reaktion auf eine angeblich imperialistische amerikanische Aussenpolitik herunterzuspielen. Auch pflegt er eine Nähe zum linksextremen Influencer Hasan Piker, der mit der Aussage auffiel, Amerika habe die Anschläge vom 11. September «verdient».Anders als J. D. VanceEarl Lundy, das spürt man, möchte sich darüber nicht aufregen. Er sei keine politische Person, sagt er, den Dienst habe er aus Verbundenheit seinem Land gegenüber geleistet. Auch von dem kriegsskeptischen Isolationismus, wie ihn der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance nach seinem Irak-Einsatz entwickelte, fehlt bei ihm jede Spur.Während Umfragen nahelegen, dass eine Mehrheit der Veteranen ihren Dienst im «War on Terror» hinterfragen, will Lundy nichts auf seine Zeit in Afghanistan kommen lassen. Sie hätten den Bau von Schulen und Kliniken ermöglicht, viel Gutes geleistet. Von den Politikern, so sagt Lundy, erwarte er einfach nur, dass sie um das Schicksal der Veteranen wüssten.Mit seiner Politikverdrossenheit ist er nicht allein. Auch auf der Ranch von Warriors Heart haben die Veteranen wenig Lust, sich mit Parteipolitik auseinanderzusetzen. Sie seien mit ihrer Heilung beschäftigt, sagt Tiffany Macdonald. Aber es gebe in den Gruppentherapien immer wieder Aufregung, wenn sich Politiker über die Kriege in Afghanistan und im Irak ausliessen. «Es macht die Leute wütend», sagt sie. «Auch ich versuche, meine Überzeugungen draussen zu lassen.»Politik soll draussen bleiben. Aber es gibt regelmässig Aufregung, wenn sich Politiker über die Kriege in Afghanistan und im Irak auslassen.Viele Menschen hätten in den Kriegen nach dem 11. September ihr Leben für das Land gegeben, meint Michael O’Dell. «Sie haben für unsere freiheitlichen Werte gekämpft, und wenn Politiker das vergessen und nur an ihre Wählerstimmen denken, ist das frustrierend.»Niemand, kein Kriegsveteran und auch kein Ersthelfer, so sagt er, sollte sich seiner Identität schämen. «Wir müssen nur lernen, wie wir unsere Erfahrungen verarbeiten und wieder gesund werden können.»Passend zum Artikel
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