KI ist an Schulen omnipräsent – aber völlig unkontrolliert. «Das bringt nichts, ist sogar kontraproduktiv», sagt der Bildungsforscher Stefan WolterEin neues Digitalisierungs-Monitoring zeigt: Wenn die Lehrer sich nicht mit künstlicher Intelligenz beschäftigen und die Kontrolle übernehmen, ist der Lernerfolg der Schüler gefährdet.25.08.2026, 18.00 Uhr3 LeseminutenNur selber denken macht schlau? Der Umgang mit KI muss geübt sein.KeystoneWie sich künstliche Intelligenz (KI) auf den Lernerfolg von Schülern, Lehrlingen und Studenten auswirkt, ist momentan das vielleicht beliebteste Forschungsobjekt von Wissenschaftern. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo auf dem Planeten eine neue Studie dazu veröffentlicht wird. Gegenwärtig weltweit feurig diskutiert: eine Untersuchung aus den USA, in der die Hausarbeiten von Studenten überprüft worden sind. Das Resultat: Alle Probanden erhielten für ihre Arbeit die volle Punktzahl von 100 – ausser einem, der nur 80 Punkte holte. In der Prüfung schnitt ebendieser am besten ab. Er war der Einzige, der seine Arbeit ohne Hilfe von KI verfasst hatte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Gefahr, die KI birgt: Das eigenständige Denken wird an eine Maschine delegiert. Im extremsten Fall wird es ganz eingestellt, da die Vorstellung vorherrscht, dass KI ohnehin besser ist als man selbst. Etwas anders sieht das der Bildungsforscher Stefan Wolter. KI habe in Bildungsinstitutionen durchaus Potenzial – aber nur, wenn sie richtig (und gezielt) eingesetzt werde.In der Schweiz ist das zu wenig der Fall. Das belegt die fünfte Durchführung des Monitorings über die «Digitalisierung der Bildung aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler» der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung. Zwar ist die Digitalisierung in den Schulen abgeschlossen – aber die künstliche Intelligenz wird falsch eingesetzt.Zuerst Kompetenz, dann KIWolter erklärt das optimale Szenario so: Die Lehrer müssten KI in ihren Unterricht integrieren, indem sie ihren Schülern zeigten, was sie damit tun sollten (und was nicht). Doch laut der Untersuchung passiert das zu selten. Im Gegenteil, wenn die Schüler verschiedene Tools nutzten, täten sie das aus Eigeninitiative. Oder, «noch schlimmer», die Lehrer sagten ihnen: Macht einfach mal etwas mit KI. Wolter sagt: «Das bringt natürlich nichts, ja ist sogar kontraproduktiv.»Der produktive Umgang mit KI – unter Anleitung der Lehrpersonen – müsse aber zuerst erlernt werden, sagt Wolter, da Lehrerinnen und Lehrer nicht automatisch auf dem neusten Stand der Technologie seien.Das birgt die Gefahr, dass die Schüler sich ohne Anleitung selbständig auf KI verlassen. Wolter sagt: «Die Herausforderung für die Lehrpersonen besteht darin, den Schülern zu zeigen, dass KI eigenes Lernen nicht nur nicht ersetzt, sondern dass erst eigene Kompetenzen den Nutzen von KI erhöhen.» Es sei deshalb von entscheidender Bedeutung, dass die Pädagogen sich schnellstmöglich bessere KI-Kompetenzen aneigneten.Dass diese Botschaft an den Pädagogischen Hochschulen (PH) schon angekommen ist, darf bezweifelt werden. Wolter macht ein Beispiel. Kürzlich lancierte ein profitorientierter Spin-off der Universität Zürich ein Programm, das mit KI die Aufsätze von Schülern korrigiert. «So etwas hätte eigentlich die PH entwickeln müssen. Sie müssten führend sein auf einem Gebiet, das ihre zentrale Aufgabe, die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern, so sehr beeinflusst.»Digitalisierung: Motivation geht verlorenDas betrifft vor allem Schulen ab der Sekundarstufe, da in den Primarschulen die Schüler noch kaum KI nutzen – auch in der Freizeit nicht. Es zeigt sich sogar, dass in den ersten sechs Schuljahren digitale Geräte im Unterricht markant weniger eingesetzt werden. Wird man älter, nutzen jedoch fast 90 Prozent regelmässig KI. Wolter sagt: «Das kann sinnvoll sein, beispielsweise für Fremdsprachige: Sie nutzen die Tools für Übersetzungen, da das Nachfragen bei der Lehrerin womöglich schambehaftet ist.» Diese Selbstnachhilfe kann aber auch negativ sein, wenn das eigene Lernen dabei auf der Strecke bleibt. «Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe der Schulen, im Einsatz von KI den Lead zu übernehmen.»Es zeigt sich jedoch auch, dass selbst die Schüler sich womöglich mehr Betreuung bei der Nutzung von KI wünschen. Wurde das digitale Lernen zuerst euphorisch aufgenommen, flacht nun die «emotionale Rendite» ab. Motivation und Freude bleiben zusehends aus. Auch das ist ein Indiz dafür, dass das Denken vermehrt routiniert an die KI ausgelagert wird. Wolter sagt: «Das Monitoring zeigt, dass es entscheidend ist, dass die Lehrer den Takt vorgeben, da sich die KI schon heute unkontrolliert im Schulalltag festgesetzt hat. Mit potenziell negativen Folgen für den Lernerfolg.»Passend zum Artikel
Wenn KI das Denken ersetzt: wie Schulen die Kontrolle zurückgewinnen müssen
Ein neues Digitalisierungs-Monitoring zeigt: Wenn die Lehrer sich nicht mit künstlicher Intelligenz beschäftigen und die Kontrolle übernehmen, ist der Lernerfolg der Schüler gefährdet.









