Der Mann ist Australier. Aber vielleicht ist das gerade sein Vorteil. Die skandinavische Koch- und Esskultur, die er in seinem neuen Buch „Modern Nordic“ ebenso ausführlich wie eindrucksvoll beschreibt, hat er nicht mit der Muttermilch aufgesogen, er ist in einer ganz anderen kulinarischen Welt groß geworden. Das klingt nach einem Nachteil – der Koch, Foodstylist, Fotograf und Autor Simon Bajada macht aber tatsächlich das Gegenteil daraus.Ihm fällt auf, was Dänen, Schweden, Norweger, Finnen und Isländer für selbstverständlich nehmen. Er erkennt Details und Besonderheiten, die die Einheimischen gar nicht mehr wahrnehmen. Er stellt Verbindungen her, die andere gar nicht mehr erkennen, weil sie so sehr an sie gewöhnt sind. Kurz gesagt: Simon Bajada ist mit seinem mehr als 300 Seiten starken Kochbuch mit Rezepten aus den Küchen Skandinaviens ein bemerkenswert überzeugendes Werk gelungen, das das Zeug zum Standardwerk hat.Mehr als 100 zeitgemäße Rezepte: „Modern Nordic“ von Simon BajadaDK VerlagDabei orientiert sich Bajada nicht an den Ländern und deren speziellen kulinarischen Traditionen, er nimmt sich die nordische Küche als Ganzes vor und unterteilt sein Buch in die Kapitel „Grundlagen“, „Vorratskammer“, „Klassiker“, „Aus dem Meer“, „Vom Lande“, „Aus dem Wald“ sowie „Backen und Süßes“. Natürlich begegnet der Leser im Zuge der Lektüre Klassikern wie dem dänischen Smörrebröd, dem schwedischen Graved Lachs und der finnischen Eibutter. Natürlich gibt Bajada Rezepte für „fisk frikadeller“ und für Hackbällchen mit Kartoffelpüree, Rahmsoße und Preiselbeeren, die alle Welt vor allem als Köttbullar aus dem Möbelhaus kennt, zum Besten. Ja, und Zimtschnecken, Knäckebrot, eingelegter Hering – sprich: Sill oder Sild – sowie Gerichte mit Heidelbeeren und Lakritz kommen selbstverständlich auch zu ihrem Recht. Bajada lässt sich auf die Vorliebe der Skandinavier zum Einlegen, Fermentieren, Pökeln und Räuchern ein. Er weiß um ihren Hang zu einstmals exotischen Gewürzen wie Kardamom, Zimt und Sternanis. Und er widmet ihrer Konservierungskunst sein „Vorratskammer“-Kapitel.Dennoch ist sein Buch nicht nur mit mehr oder weniger bekannten Klassiker-Gerichten angefüllt. Er präsentiert auch sehr interessante, zeitgemäße Eigenkreationen, die den Begriff „Modern“ im Buchtitel mit Leben füllen. Viele seiner mehr als 100 Rezepte haben einen innovativen, aktuellen Touch, etwa wenn er Radieschen ganz simpel mit Gewürzbutter und Honig als Snack auf den Tisch bringt, Austern mit Apfelmost, Gurke und Lakritz kombiniert, eine Roggentarte mit Mangold, Lachskaviar und Spiegelei, gerösteten Spitzkohl mit Belugalinsen und Räucherkäse oder geschmorte Rinderbrust mit Blumenkohlsteak und Glühweinsoße serviert. Und als Dessert tischt er etwa einen Käsekuchen mit Brombeeren und Ingwer auf, der nicht gebacken werden muss.Abgesehen von dieser sehr gelungenen Mischung von typischen Klassikern und neuen Interpretationen punktet „Modern Nordic“ vor allem mit seiner Alltagstauglichkeit und der unkomplizierten, aber nicht anbiedernden Sprache, in der es geschrieben ist. Die Rezepte sind verständlich und schnörkellos erläutert, und Bajada lässt seine Leser auch bei etwas komplexeren Gerichten nicht im Ungefähren auf sich gestellt. Typisch skandinavisch möchte man sagen. Oder vielleicht auch: typisch down under.Simon Bajada: „Modern Nordic“, DK Verlag, München 2026, 304 Seiten, 33 Euro.
Modern Nordic: neues Skandinavien-Kochbuch von Simon Bajadas
Die bodenständige Küche Skandinaviens hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten viele Köche beeinflusst. Der Autor und Fotograf Simon Bajada hat mit „Modern Nordic“ ein sehr gelungenes Kochbuch zum Thema verfasst.






