Volkswagen-Chef Oliver Blume hat als Ziel des Umbauplans für Europas größten Autokonzern eine Zukunft für alle Standorte genannt. „Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen“, sagte Blume am Dienstag auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg.Die Konzernmarken hätten den Auftrag, gemeinsam mit den Werken konkrete Optionsräume zu erarbeiten. Werksschließungen für Emden, Hannover, Zwickau und Audi in Neckarsulm seien nicht beschlossen. „Sie sind immer die letzte und teuerste Lösung.“Wir müssen Komplexität reduzieren, unsere Strukturen konsequent verschlanken und Kosten senken.Oliver Blume, VW-ChefDie Kosten außerhalb der Fahrzeugproduktion müssten sinken. Dabei sei die von ihm früher genannte Zahl von 50.000 Stellen keine Zielgröße, sondern eine theoretische Rechengröße. „Aus heutiger Sicht entfällt etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere international – in insgesamt rund 170 Gesellschaften“, ergänzte Blume einer Mitteilung zufolge.Blume hat gegenüber der Belegschaft die Notwendigkeit weiterer Sparmaßnahmen betont. „Wir müssen Komplexität reduzieren, unsere Strukturen konsequent verschlanken und Kosten senken“, sagte Blume in seiner Rede. „Zölle, neue Wettbewerber und geopolitische Risiken: Die gesamte Autoindustrie steht unter enormem Druck.“ Der VW-Konzern habe „frühzeitig gegengesteuert“ und begonnen, Konzern und Marken neu auszurichten, betonte Blume. „Unsere Marktanteile wachsen. Aber das reicht noch nicht aus.“Seit der Ankündigung weiterer Sparzwänge in den vergangenen Monaten wird bei Europas größtem Autobauer um Zehntausende Stellen und vier Werke gerungen. Nach Wolfsburg sind in den nächsten Tagen acht weitere Betriebsversammlungen in Braunschweig, Emden, Zwickau, Chemnitz, Dresden, Kassel-Baunatal, Salzgitter und Hannover geplant. Kritik des Betriebsrats: „Vertrauen beschädigt“ Blume konnte mit seinem Auftritt bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg den Konzernbetriebsrat noch nicht überzeugen. „Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand, insbesondere auch in dessen Vorsitzenden Oliver Blume, ist beschädigt“, sagte Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo nach Angaben aus Teilnehmerkreisen bei der Versammlung im Stammwerk. „Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt.“ Mit einem CEO, „der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten“, sagte Cavallo demnach weiter.Der Konflikt hatte sich an möglichen Stellenstreichungen bei Volkswagen entzündet, über die im Juli zunächst Medien tagelang berichteten. Konzernchef Blume äußerte sich danach zunächst in einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview: Bei diesen Kosten habe VW im Vergleich zum Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen „einen Nachteil von rund 20 Prozent“, sagte er. „Da die Hälfte der Gemeinkosten aus den Personalkosten resultiert, würde eine theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten rund 50.000 Stellen weltweit ergeben.“ Die Angst der Belegschaft in den VW-Werken Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm vor Stellenstreichungen oder gar Werkschließungen ist seither groß. Stolze Marke, aller Turbulenzen zum Trotz: das VW‑Werk in Wolfsburg. © dpa/Stefan Rampfel Cavallo kritisierte die Formulierung „ohne Veränderung der Arbeitskosten“ als „sprachlichen Tarnumhang“. „Und wenn man den wegzieht, steht da: Liebe Beschäftigte, wenn Ihr es ab morgen für die Hälfte der Bezahlung macht, wollen wir nur 25.000 rausschmeißen“, sagte sie laut Teilnehmerkreisen.Wir sind der Meinung, die Beschäftigten haben ihren Beitrag geleistet, und das Management ist in der Verantwortung, Perspektiven aufzuzeigen.Christiane Benner, IG-Metall-ChefinIG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte am Morgen gefordert, statt auf Personalabbau auf andere Sparmaßnahmen zu setzen. Die Lage der Automobilbranche sei mit Blick auf US-Zölle und die Konkurrenz aus China schwierig, räumte sie ein. „Erkennen wir die Lage an? Ja, aber wir sind der Meinung, die Beschäftigten haben ihren Beitrag geleistet, und das Management ist in der Verantwortung, Perspektiven aufzuzeigen.“Auch der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sieht mögliche Werksschließungen bei VW weiter kritisch. Das sei „keine Zukunftslösung“, sagte er dem Deutschlandfunk. Die Größe des Konzerns sei eine Chance. Sie infrage zu stellen, „wäre wirklich fatal“.Lies sprach sich auch dafür aus, Wachstumspotenziale vor allem im E-Mobilitätsmarkt zu nutzen. Zudem könne man Synergien zwischen den unterschiedlichen Marken des Konzerns verbessern. Man müsse sich fragen: „Haben wir vielleicht eine zu große Variabilität von verschiedenen Fahrzeugen, von Ausstattung?“ Eine Möglichkeit sei auch die Produktion für die Rüstung, um phasenweise die Auslastung von Werken sicherzustellen.2024 war bereits die Rede von möglichen Werksschließungen gewesen. Die traditionell starken Arbeitnehmervertreter im VW-Konzern sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner rangen der Konzernspitze damals als Kompromiss ein Sparprogramm ab, das einen sozialverträglichen Jobabbau von zehntausenden Stellen bis 2030 vorsah. (Reuters/dpa)