Spesenskandal in Luzern: Untersuchung entkräftet Vorwürfe gegen Ex-Regierungsrat Guido Graf teilweiseKein Missbrauch bei Spesen und Entschädigungen: Ein unabhängiges Gutachten entlastet den ehemaligen VR-Präsidenten einer kantonalen Institution. Doch es ortet «erhebliche Mängel» bei der Arbeitsweise des damaligen Gesamtverwaltungsrats.24.08.2026, 15.57 Uhr3 LeseminutenWährend seiner Amtszeit als Luzerner Sozial- und Gesundheitsdirektor von 2010 bis 2023 sorgte Guido Graf immer wieder für Schlagzeilen. Ein Bild aus dem Januar 2019 während einer Medienkonferenz im Regierungsgebäude.Urs Flüeler / Keystonesla. Dem früheren Luzerner Mitte-Regierungsrat Guido Graf schlug in den vergangenen Monaten scharfe Kritik entgegen. Als Verwaltungsratspräsident des kantonalen Sozialversicherungszentrums Wirtschaft, Arbeit, Soziales (WAS) sah er sich mit schwerwiegenden Anschuldigungen konfrontiert: Er soll sich als oberster strategischer Chef der öffentlichrechtlichen Anstalt Dutzende Aufträge selbst zugeschanzt und die Vergütungen eigenhändig visiert haben. Das brachten Recherchen der «Luzerner Zeitung» im März ans Licht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zudem ging es um mutmasslich überhöhte Abrechnungen für Fahrspesen für die Strecke zwischen Grafs Wohnort und dem Sitz des WAS mit seinen 665 Mitarbeitenden. Ausserdem stand der Vorwurf im Raum, er habe ein einschüchterndes «Klima der Angst» geschaffen.Nun bringt ein externer Bericht der Kanzlei Bratschi AG die Wende. Wie Graf am Montag mitteilte, hat die unabhängige Untersuchung die zentralen persönlichen Vorwürfe gegen seine Amtsführung entkräftet.Graf fordert eine öffentliche RichtigstellungDer Bericht der Untersuchungsbeauftragten, der Rechtsanwältin Isabelle Häner, kommt zu dem Ergebnis, dass weder bei den Gesamteinkünften noch bei den geltend gemachten Fahrspesen ein Missbrauch oder eine Unrechtmässigkeit vorliege. Die Bezüge Grafs bewegten sich im Rahmen dessen, was bei vergleichbaren Organisationen üblich und für die ausgeübte Tätigkeit plausibel sei. Auch der Vorwurf der systematischen Einschüchterung bestätigte sich gemäss dem Bericht nicht. Zudem beeinträchtigten die internen Konflikte weder die Leistung der Angestellten noch die Dienstleistungen für die Luzerner Bevölkerung.In einem zentralen Punkt geht die Untersuchung zudem deutlich auf Distanz zur kantonalen Finanzkontrolle: Deren kritische Beurteilung vom Mai 2025 erweise sich in wesentlichen Belangen als nicht ausreichend abgestützt. Guido Graf fordert vor diesem Hintergrund eine öffentliche Richtigstellung durch die Behörden. Hängig ist weiterhin eine Strafanzeige der Aufsichts- und Kontrollkommission (AKK) gegen Graf. Sie war nicht Teil der formellen Untersuchung.Mängel bei der Corporate GovernanceGanz ohne Tadel bleibt Graf jedoch nicht. Der Bericht legt «erhebliche Mängel» bei der Arbeitsweise des damaligen Gesamtverwaltungsrats offen. Insbesondere beim Informationsfluss, bei der Transparenz sowie der Vergabe und Kontrolle von Einzelaufträgen fehlte es an festen institutionalisierten Prozessen.Dass Verwaltungsratsmitglieder in der intensiven Aufbauphase des Zentrums auch operative Aufgaben übernahmen, war rechtlich zwar nicht untersagt, widerspricht aber modernen Standards der Corporate Governance. Graf räumt diese Defizite ein und begrüsst die empfohlenen Reformen zur klaren Aufgabentrennung.In einer Mitteilung räumt der gegenwärtige WAS-Verwaltungsrat ein, dass es Mängel gegeben habe. Doch gesamthaft handle es sich bei der WAS um eine gut funktionierende Institution, die bei der Durchführung der Sozialversicherung effizient und kostengünstig sei. Der Verwaltungsrat hat gemäss eigenen Angaben in den vergangenen Monaten Verbesserungen eingeleitet. Dazu gehört insbesondere die Präzisierung der Abrechnungsprozesse zur Stärkung der Transparenz.Der Fall hat politische Brisanz. Graf amtete von 2010 bis 2023 als Luzerner Sozial- und Gesundheitsdirektor und sorgte in dieser Zeit immer wieder national für Schlagzeilen. Nach seinem Rücktritt aus der Regierung behielt der für seine resolute Haltung in der Asyl- und Gesundheitspolitik bekannte Politiker das seit 2018 ausgeübte WAS-Präsidium. Erst im Frühjahr 2026 folgte aufgrund der von der «Luzerner Zeitung» publik gemachten Vorwürfe seine Demission. Politische Gegner wie der SP-Nationalrat David Roth und der SVP-Kantonalpräsident Martin Wicki sahen in den Vorgängen ein weiteres Beispiel für den «Mitte-Filz» im Kanton Luzern.Passend zum Artikel