Das Kottbusser Tor wird bald von KI-Kameras überwacht, die ein privates Unternehmen herstellt. Ein Künstler zeigt, wie sich die Technik überlisten lässt.

Die KI ausgetrickst: Simon Weckert in seinem „Digital Camouflage“-Shirt am Kottbusser Tor

Simon Weckert

Am offenen Fenster von Simon Weckerts Atelier surrt ein Ventilator. Er kühlt mehrere Computerlaufwerke, die auf Hochtouren laufen. Die rauschenden und blinkenden Rechner ermitteln gerade Farbmuster, mit denen sich ein Algorithmus zur Objekterkennung austricksen lässt: Wer ein solches Muster auf der Kleidung trägt, wird von dem Programm nicht als Mensch erkannt.

Das T-Shirt „Digital Camouflage“ des Berliner Künstlers funktioniert nach genau diesem Prinzip. Es ist mit grellbunten, zapfenähnlichen Formen bedruckt. Und es wirkt, wie Weckert demonstriert. Wenn er in Alltagskleidung vor eine Kamera tritt, an die eine weit verbreitete Software zur Objekterkennung angeschlossen ist, setzt diese einen grünen Rahmen um ihn und deklariert ihn als „Person“. Aber sobald er das knallige T-Shirt vor seinen Oberkörper hält, verschwindet der Rahmen. Weckert ist für den Algorithmus unsichtbar.