Auf Plakaten entlang der Magistrale, die vom Flughafen ins Stadtzentrum von Astana führt, steht in großen Lettern „Für die Erneuerung“. Wer dieser Tage durch die kasachische Hauptstadt oder das im Süden des Landes gelegene Wirtschaftszentrum Almaty fährt, kommt an den Wahlaufrufen kaum vorbei. Es ist eine Botschaft, die Präsident Kassym-Schomart Tokajew seinem Land seit Jahren versucht einzuimpfen. Kasachstan befinde sich im Umbruch, in einem Reformzyklus, weg vom „super-präsidialen“ System seines Vorgängers Nursultan Nasarbajew, hin zu etwas Neuem. Am Sonntag wird sich zeigen, wie tragfähig dieses Versprechen ist, bei der ersten Wahl zum neuen Kurultai.

Es ist eine Wahl mit vielen Superlativen. Die Kasachen haben seit wenigen Monaten eine neue Verfassung, bekommen nun ein neues Parlament, mit neuem Namen und einer komplett neuen Parteienlandschaft. Und all das fällt auch noch in ein Jahr, das für das geografisch größte Land Zentralasiens auch noch symbolisch hoch aufgeladen ist. 35 Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion findet sich Kasachstan in einer Rolle, in der man nicht mehr nur reiner Rohstofflieferant ist.

Das noch überaus junge, aber hochgebildete und technologieaffine Land gehört zu jenen geopolitischen Akteuren, die ohne Hemmungen mit Russen, Chinesen, Amerikanern, Europäern und der muslimischen Welt handeln, wirtschaften und in Partnerschaft leben können und leben wollen. Davon gibt es – betrachtet man die aktuelle globale Konfliktlage genauer – nicht mehr all zu viele Staaten.