Am 23. August 2026 wählt Kasachstan zum ersten Mal die Abgeordneten seines neuen Einkammerparlaments, des Kurultai. Es ist die erste Abstimmung seit Inkrafttreten der neuen Verfassung, die das bisherige Zweikammersystem aus Mäschilis und Senat ablöst und der vorläufige Höhepunkt eines Reformzyklus, der seit dem Amtsantritt von Präsident Kassym-Schomart Tokajew 2019 läuft und nach den blutigen Januar-Unruhen 2022 an Fahrt aufnahm.

Vom Zweikammersystem zum Kurultai

Im März dieses Jahres stimmten die Kasachen in einem Referendum über eine neue Verfassung ab. Nach offiziellen Angaben beteiligten sich rund 73 Prozent der Wahlberechtigten, etwa 87 Prozent stimmten dafür. Das neue Grundgesetz trat im Juli in Kraft, wenig später setzte Tokajew per Dekret den 23. August als Wahltermin für das neue Parlament fest.

Begleitet wird die Umstellung von einer ganzen Reihe kleinerer Reformen. Die für eine Parteigründung nötige Mitgliederzahl sank von 20.000 auf 5.000, die Sperrklausel von sieben auf fünf Prozent. Auch die Option „gegen alle“ kehrte auf die Stimmzettel zurück. Auf lokaler Ebene wurden Direktwahlen für die Leiter ländlicher Gemeinden (Äkime) eingeführt, 2023 nahm zudem ein neu geschaffenes Verfassungsgericht seine Arbeit auf, bei dem sich Bürger erstmals direkt gegen Rechtsnormen wehren können. Hinzu kommt eine der grundlegendsten Änderungen: eine einmalige, nicht verlängerbare Amtszeit des Präsidenten von sieben Jahren.