In den 1970er-Jahren sah der französische Philosoph Michel Foucault im Islam eine Kraft der Befreiung. Wie kam er dazu? Teil 7 unserer Serie.
Im Jahr 1978 wird Michel Foucault zu zwei Recherchereisen in den Iran aufbrechen. Er hat dafür mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera eine Serie von Artikeln verabredet. Das Interesse des französischen Philosophen an den revolutionären Vorgängen liegt im Trend der Zeit. Die Ereignisse in Iran galten der neuen Linken weltweit beispielhaft für einen nicht mehr überwiegend vom Ost-West-Gegensatz geprägten Typus politischer Auseinandersetzung.
In Iran sah sich eine vom Westen gestützte und säkular orientierte Monarchie mit einer sich auf die vormodernen Werte des politischen Islam berufenden Kraft konfrontiert. Sie schien keinem der bislang analysierten Dispositive der Macht zu gleichen. Foucault war zudem wie viele andere auch vom Islam und dessen exotisch wirkender Spiritualität fasziniert, kapitalismusmüden Kritikern schien es wie ein großer Sprung aus der Welt.
Eine Projektion mit negativen Folgen, insbesondere für den Iran, wie Foucault bald selbst erkannte. Doch da war es bereits zu spät, der Moment der Geschichte vorbeigezogen. Foucault war den Einschätzungen religiös inspirierter, konservativer iranischer Nationalisten gefolgt. Politikern, die zumeist im französischen Exil saßen und als Fraktion der „Gemäßigten“ Islamistenführer Ayatollah Chomeini den Weg zur absoluten Macht in Iran ebneten.






