Teil 5 der Reihe zum 100. Geburtstag: Foucault und die Macht des Geständniszwangs

Foucaults Arbeiten zur Sexualität hinterfragten die Euphorie der sexuellen Revolution. Unbequem bleiben seine Thesen für Gender- oder Queer-Studies.

Michel Foucault hielt nichts davon, die Frage nach der Lust zu individualisieren

Michele Bancilhon/afp

Kleines Bändchen, unabsehbare Wirkungen. Es geschah 1976, dass Michel Foucault mittels des Begriffs „Sexualitätsdispositiv“ einen ganzen Knoten an Selbstverständlichkeiten in Sachen Liebe, Triebe und Geschlechtlichkeit durchschlug – und zwar Selbstverständlichkeiten auf der moralisch konservativen wie auf der sexualpolitisch libertären Seite. Erst ein Jahr zuvor hatte Foucault mit einer Kritik der vermeintlichen Humanität der Gefängnisstrafe die Sozialgeschichte durchgerüttelt. Nun also – mit „Der Wille zum Wissen“, wie das Folgebüchlein heißt – dekonstruiert er gleich auch noch „den Sex“ (und weitere Bände einer umfassenden Geschichte der Sexualität werden folgen).