Wer noch nie regiert hat, kann vieles versprechen. Für Ulrich Siegmund gilt das in besonderem Maße. Noch nie war die AfD in Deutschland an der Macht, geschweige denn einen Ministerpräsidenten gestellt. In Sachsen-Anhalt könnte sich das in wenigen Wochen ändern. In Umfragen liegt die AfD mit weitem Abstand zur CDU bei aktuell 43 Prozent. Siegmund will aber nicht nur stärkste Kraft werden. Er will allein regieren. Eine Minderheitsregierung lehnt er kategorisch ab.

Doch was geschieht am Morgen nach einem möglichen Wahlsieg? Ulrich Siegmund müsste einen Staatsapparat übernehmen, dessen Beamte seit Jahrzehnten unter Regierungen anderer Parteien arbeiten. Er müsste mit Gerichten umgehen, deren politische Unabhängigkeit er teilweise infrage stellt, und einen Verfassungsschutz neu ordnen, der seine Partei seit Jahren beobachtet.

Im Interview mit dieser Zeitung spricht Siegmund darüber, wie weit eine AfD-Regierung den bestehenden Rechtsrahmen ausreizen würde und warum er glaubt, dass Ostdeutschland erneut Ausgangspunkt eines historischen politischen Umbruchs sein könnte.

Herr Siegmund, Sie sind der populärste Politiker der AfD. Gleichzeitig haben Menschen Angst davor, dass Sie Ministerpräsident werden. Der Spiegel bezeichnete Sie jüngst als den „gefährlichsten Mann Deutschlands“. Was macht diesen Menschen Angst?