Das Szenario, das westliche Militärstrategen nicht schlafen lässt, ist leicht zu beschreiben und, wie sich herausstellt, fast völlig unerforscht: Russland greift ein Nato-Mitglied an, während China gegen Taiwan militärisch vorgeht. Das schilderte das Medium The Atlantic vor wenigen Tagen.

Auf die Frage, was der Westen tatsächlich tun würde, wenn Russland und China gleichzeitig Fronten in Europa und Taiwan eröffneten, gaben ranghohe Militärs und Strategen meist zu, es nicht zu wissen. Einige zeigten sich beschämt darüber, wie wenig Arbeit bisher in dieses Thema geflossen ist.

„Szenario, auf das wir nicht vorbereitet sind“

„Sagen wir einfach: Das ist das Szenario, auf das wir derzeit nicht vorbereitet sind“, sagte Florence Gaub, die Direktorin der Forschungsabteilung am Nato Defence College in Rom. Die Strategen des Bündnisses seien sich dieser Lücke aber „durchaus bewusst“, so Gaub.

Admiral Rob Bauer, der bis zu seiner Pensionierung im vergangenen Januar den Nato-Militärausschuss leitete, sagte, ihm seien innerhalb des Bündnisses keine koordinierten Bemühungen bekannt, sich auf das vorzubereiten, was er als Worst-Case-Szenario bezeichnete. „Was werden wir tun? Wer bekommt welche Truppen?“, fragte er im Interview mit dem amerikanischen Magazin. „Ich denke, es wäre klug, das durchzudenken.“