Wurden eifrig fotografiert: Margaret Qualleys Füsse in der «Barfusssandale». Getty Images Der Schuh, der gerade für das grösste Aufsehen sorgt, ist strenggenommen gar keiner: Zum ersten Mal wurde der «Nacktschuh» von Chanel in freier Wildbahn gesichtet.Haben Sie gerade etwas Aufmerksamkeit? Dann investieren Sie sie in die sogenannten «Nacktschuhe» oder auch «Barfusssandalen» aus der Cruise-Kollektion von Chanel. Die Schauspielerin Margaret Qualley schritt am 20. August mit ihnen über den roten Teppich der Londoner Premiere ihres neuen Films «The Dog Stars». Seitdem kriegt sich das Internet nicht mehr ein. Die Bandbreite der Reaktionen ist gross. Von «I love it» über «lächerlich» bis hin zu «Ich würde lieber sterben, als darin ein öffentliches WC zu betreten» ist alles dabei. Die Strandszenerie passt zum Nacktschuh: Margaret Qualley bei der Premiere von «The Dog Stars». Getty Images Frei von jeglicher FunktionWer bei Barfussschuhen nun an die Neo-Öko-Bequemtreter denkt, in welche viele Besser-Eltern gerne die zarten Füsse ihrer Kinder stecken, liegt falsch. Das Modell ist genaugenommen gar kein Schuh. Es ist nur ein flacher Absatz, der mit Schuhbändeln am Rist festgebunden wird, samt kleiner Schleifen. Und damit ein wundervoll-versponnener Hybrid zwischen nacktem Fuss und Sandale – eindeutig eher Schmuck denn Schutz. Er erinnert an die archetypische Form von griechischen Sandalen, hat sich aber von jeglicher Funktion gelöst. Bereits bei der Präsentation der Cruise-Kollektion Ende April in Biarritz sorgte er für Aufsehen. Nun wurde er zum ersten Mal abseits des Laufstegs gesichtet. Gibt es auch in Gold: Die Nacktsandale von Chanel bei der Präsentation der Cruise-Show im April. Courtesy of Chanel Die kleine Meerjungfrau lässt grüssenDas absurde Schuhwerk ist nicht nur ein Spiel mit dem Thema, das der Chanel-Kreativdirektor Matthieu Blazy seiner ersten Cruise-Kollektion gab: Eine Nixe geht an Land. Und eine solche Metamorphose ist augenscheinlich nicht so einfach: Man erinnere sich an das Märchen «Die kleine Meerjungfrau», in dem die Protagonistin zwar ihren Fischschwanz gegen Füsse tauschen konnte, aber jeder Schritt schmerzte.Diese Gefahr droht hier ebenfalls, denn der Fuss ist den Widrigkeiten des Bodens ungeschützt ausgesetzt. Diese demonstrative Dysfunktionalität ist natürlich ein Statement: «Seht her, ich kann es mir leisten, ungeschützt zu sein.»Schuhe als Zeichen der KultiviertheitDer «Halbschuh» ist auch ein Verweis auf die Modegeschichte, in der der nackte oder bekleidete Fuss immer wieder Thema war: Mal galt man barfuss als bettelarm, mal als naturverbunden. Heute sind Schuhe durchaus ein Zeichen von Kultiviertheit. Im Business-Dresscode sind nackte Zehen bis heute verpönt – selbst bei 36 °C. Und viele Restaurants in Strandnähe bestehen auf Fussbekleidung. Ob man in den Chanel-«Schuhen» hineindürfte? Man müsste wohl auf einen modeaffinen Türsteher hoffen. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Der «Naked Shoe» von Chanel ist mehr Schmuck als Schutz
Der Schuh, der gerade für das grösste Aufsehen sorgt, ist strenggenommen keiner: Zum ersten Mal wurde der «Nacktschuh» von Chanel in freier Wildbahn gesichtet.















