Die Anleihemärkte haben diese Woche ihre Kraft gezeigt und Börsen und Anleger in aller Welt beschäftigt. Wollen sich Staaten für 30 Jahre Geld leihen, müssen sie aktuell dafür so hohe Zinsen zahlen wie seit der Finanzkrise von 2007 nicht mehr. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg über die Woche auf rund 3,2 Prozent, die der dreißigjährigen Bundesanleihen auf fast 3,8 Prozent. In Amerika stieg die Rendite der Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit auf 5,3 Prozent, in Frankreich auf 4,9 Prozent.Länder geben Anleihen aus und leihen sich Geld von Investoren, wenn sie mehr finanzielle Mittel brauchen. Die Renditen von Staatsanleihen hängen dabei von mehreren Faktoren ab, etwa von den Inflationserwartungen, der erwarteten Geldpolitik der Notenbanken, dem Angebot neuer Anleihen und der Einschätzung der Anleger zur Schuldentragfähigkeit eines Staates.Anleger sorgen sich offenbar, dass ein höherer Ölpreis langfristig eine höhere Inflation und eine steigende Staatsverschuldung bedeute. Sie verkauften ihre Staatsanleihen. Das drückte deren Kurse und ließ im Gegenzug die Renditen steigen. Für neue Käufer werden die Papiere dadurch zwar attraktiver, zunächst signalisiert der Renditeanstieg aber vor allem den Verkaufsdruck am Markt. Die angespannte Lage im Nahen Osten trieb die Preise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI auf mehr als 93 und 87 Dollar je Fass. In den vergangenen zwei ⁠Wochen haben die Ölpreise um fast 15 Prozent zugelegt, vor Beginn des Irankriegs Ende Februar hatten sie bei rund 70 Dollar gelegen.US-Staatsverschuldung erstmals über 40 Billionen DollarDie hohe Verschuldung der USA macht den Finanzmärkten zunehmend Sorgen. Die Staatsverschuldung legte am Donnerstag zum ersten Mal auf mehr als 40 Billionen Dollar zu. Dass die USA wie andere Staaten einen hohen Schuldenstand aufweisen, ist nichts Neues. Verschärft wird das durch die steigende Zinslast, wachsende Sozial- und Gesundheitskosten, die enormen finanziellen Ausgaben für den Irankrieg und die Auswirkungen der US-Zollpolitik.In Deutschland erhöhen die Milliardenausgaben für Verteidigung und Infrastruktur den Geldbedarf. In Frankreich verschärft sich das Haushaltsproblem zusätzlich, und der Staat muss für neue Schulden höhere Zinsen zahlen.Das US Treasury Department hatte am Mittwoch eine Verdopplung seiner Anleihen-Rückkäufe für bestimmte längerfristige Papiere angekündigt, um den ‌jüngsten Renditeanstieg am Anleihemarkt einzudämmen. ‌Die Maßnahme sorgte jedoch nur kurzfristig für etwas Erleichterung.Dax pendelt um die 26.000-MarkeDie ⁠hohen Ölpreise wie auch die Sorgen um den Anleihemarkt dämpften die Kauflaune der Anleger. Nach den Dax-Rekorden Mitte August mit 26.573 Punkten pendelte der Index am Ende der Woche um die 26.000-Marke. Der Euro Stoxx 50 verlor seit Montag knapp zwei Prozent und fiel auf über 6400 Punkte. Der S&P 500 gab gut zwei Prozent auf rund 7600 Punkte nach. „Der Eingriff des amerikanischen Finanzministeriums zur Senkung langfristiger Renditen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verschuldung der Vereinigten ‌Staaten gerade die 40-Billionen-Dollar-Grenze überschritten hat“, sagte Jochen Stanzl von der Consorsbank.Auf der Suche nach Alternativen zum Dollar griffen Anleger bei Bitcoin und ⁠Gold zu. Die ⁠Kryptowährung kletterte zum Wochenschluss um fast sechs Prozent auf über 76.784 Dollar – den höchsten ⁠Stand seit fast ⁠drei Monaten. Auf Wochensicht beläuft sich das Plus auf mehr als 20 Prozent. Der ‌Goldpreis legte im selben Zeitraum um gut vier Prozent auf 4567 Dollar je Feinunze zu. „Die Hoffnung auf regulatorische Klarheit und ein entspannteres Renditeumfeld am US-Anleihemarkt fungiert als Zünglein an der Waage“, sagte Timo Emden vom Broker CapTrader. US-Präsident Donald Trump hat den Kongress am Mittwoch aufgefordert, ein Gesetz zu verabschieden, das den wachsenden Kryptowährungssektor klarer definieren soll.