AnalyseEFG überzeugt mit hohem Neugeldwachstum, Vontobel punktet mit Stabilität, und Julius Bär birgt beachtliches Potenzial für Kapitalrückführung. Der Vergleich von Rentabilität, geografischer Ausrichtung und Ausschüttungspolitik zeigt, wo Anleger mittelfristig das meiste Kurspotenzial finden.Die Aktien der Schweizer Privatbanken entwickeln sich derzeit höchst unterschiedlich: Während Vontobel in diesem Jahr um 40% auf 90 Fr. zulegt und die Titel von Julius Bär aus ihrer fast zehnjährigen Spanne zwischen 45 und 65 Fr. nach oben ausgebrochen sind, verlieren die Valoren von EFG International mehr als 10%.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Blick in die Vergangenheit dreht das Bild komplett: In den fünf Jahren vor 2026 haben sich die Aktien von EFG mehr als verdoppelt, während die Titel von Vontobel stagnierten und Julius Bär in einem Auf und Ab gefangen blieben.Die Ergebnisentwicklung der vergangenen zwanzig Jahre erklärt diesen Unterschied: Der Gewinn von EFG brach mit der Finanzkrise ein, Verluste bei Finanzinstrumenten und Abschreibungen nach einer expansiven Zukaufphase belasteten das Ergebnis. Die Unsicherheit hielt bis 2017 an, als die Kosten für die Integration der zugekauften Tessiner Privatbank BSI das Ergebnis nochmals drückten. Doch seither steigt der Gewinn verlässlich – ein Trend, der sich laut Analysten fortsetzen dürfte.Das gegenteilige Bild zeigt die jüngere Vergangenheit bei Julius Bär. Nach jahrelang verlässlich steigendem Gewinn belasteten 2019 Rückstellungen und Abschreibungen. 2023 halbierte der Ausfall von Krediten in Höhe von 600 Mio. Fr. an den gescheiterten Immobilieninvestor René Benko den Überschuss, die Nachwehen davon sowie weitere Abschreiber im Kreditbuch belasteten 2025 erneut – auch den Kurs aufgrund des weiteren Vertrauensverlusts.Auch die Entwicklung von Vontobel zeigt teilweise grosse Ergebnisschwankungen. Der Blick nach vorn offenbart allerdings eine sehr positive Einschätzung der Analysten.Aktive Arbeit am operativen HebelDass die kontinuierlichen Gewinnsteigerungen der letzten Jahre bei EFG nicht zufällig zustande kamen, belegt die Entwicklung der Einnahmen und der Kosten. Seit der Integration von BSI stieg der Ertrag jährlich um durchschnittlich 5%, während die Kosten um lediglich 1% zulegten. «EFG hat in den letzten Jahren oft positiv überrascht», beobachtet Andreas Venditti, Bankenanalyst bei Vontobel.Julius Bär weist eine deutlich flachere Dynamik auf, inklusive Rückschlägen durch die Kreditausfälle. Nach der Bereinigung der Bücher sowie den von CEO Stefan Bollinger eingeleiteten Effizienz- und Sparmassnahmen spricht jedoch vieles dafür, dass der Ertrag künftig deutlich über den Kosten zulegen kann. Ein verbessertes Risikomanagement sollte zudem weitere Rückschläge seltener werden lassen.Bei Vontobel fehlt bislang eine klare Richtung. Der schwankende Ertrag bestimmt das Ergebnis, da die Kosten weitgehend konstant blieben. Das Management mit der Doppelspitze Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger hat allerdings ein Kostenprogramm aufgesetzt, mit dem bis Ende Jahr 100 Mio. Fr. eingespart werden sollen – ein Ziel, das zur Jahresmitte bereits übertroffen wurde.Rentabilität prägt die BewertungDas Zusammenspiel von Ertrag und Kosten wirkt sich auf die Rentabilität aus – und die Rendite auf dem Eigenkapital (Return on Equity, ROE) ist der zentrale Faktor für die Bewertung von Bankaktien.Dank Effizienzfortschritten kletterte die Eigenkapitalrendite von EFG auf 18% (gelbe Linie), woraufhin der Aktienkurs auf mehr als das Doppelte des Buchwerts stieg (gelb gepunktete Linie, aus Darstellungsgründen um den Faktor zehn erhöht abgebildet). Bei Julius Bär und Vontobel sind zwar noch kaum Fortschritte bei der Eigenkapitalrendite ersichtlich. Die Erwartung, dass sich ihre Effizienz künftig verbessert, hat die Bewertung jedoch bereits steigen lassen. Mittelfristig bieten aber alle drei Aktien weiteres Kurspotenzial, allerdings in unterschiedlichem Ausmass.Unterschiedliches Tempo beim NeugeldGrosse Unterschiede zeigen die Institute bei der Akquise von Neugeld, dem wichtigsten Treiber künftiger Gebühreneinnahmen.EFG erzielt mit Ausnahme des Zinsanstiegs von 2022 einen jährlichen Neugeldfluss von 5 bis 6% der verwalteten Vermögen. Zwar rapportiert sie diese Zahl im Gegensatz zur Konkurrenz inklusive neu vergebener Kredite, was den Wert leicht schönt. Die Kennzahl liegt aber deutlich über den knapp 3% von Julius Bär – und ist mit Abstand besser als bei Vontobel, die unter Abflüssen im Asset Management leidet.Im Gegensatz zu EFG und Julius Bär, die primär private Kunden bedienen, verfügt Vontobel neben dem Private Banking über ein nahezu ebenso grosses Segment mit institutionellen Kunden.«Seit zehn Halbjahren in Folge musste das Asset Management von Vontobel Abflüsse vermelden», erläutert Daniel Regli, Bankenanalyst der ZKB: Gelder flossen zuletzt aus dem globalen Aktienanlagegeschäft von Vontobel, insbesondere aus der Boutique Quality Growth, ab. Beim Zinsanstieg von 2022 stiessen die Investoren Fonds mit festverzinslichen Papieren ab, und zwar so ausgeprägt, dass die von Vontobel verwalteten Vermögen insgesamt schrumpften, obwohl die Privatbank in diesem Jahr weiterhin einen Neugeldzufluss von 5,5% erreichte.Die gruppenweit verwalteten Vermögen stagnierten so, wenn auch mit einer Verschiebung hin zum ertragsstärkeren Privatkundengeschäft. Mit dem Tempo, das EFG beim Wachstum ihrer Privatkundschaft vorlegt, kann Vontobel aber nicht mithalten. EFG hatte die Zinsdelle schnell ausgeglichen und dürfte gemäss Analystenschätzungen rasant weiterwachsen.Einen Grund für den starken Neugeldfluss von EFG sieht Venditti in der forschen Neuanstellung von Kundenberatern: «Seit mehr als zehn Jahren stellt EFG im Schnitt jährlich rund 10% neue Kundenberater ein – und entlässt ebenso viele, die die von ihnen erwartete Leistung nicht erbringen.» Da die neuen Kundenberater den Grossteil des Neugeldes bringen, wirkt sich das positiv auf das Wachstum der gesamten Vermögensbasis aus: «Auf Spitzenjahre bei den Einstellungen – etwa 2023 beim Niedergang von Credit Suisse – folgen starke Neugeldzuflüsse.»Bär verpasste diese Chance: Während Wechselwillige sich nach einem neuen Arbeitgeber umschauten, dominierte Bär die Schlagzeilen mit den Benko-Krediten und geriet in den Fokus der Finanzmarktaufsicht Finma. Der Reputationsschaden sowie eine erzwungene Risikoscheu erschwerten das Wachstum. Die verwalteten Vermögen legten zwar zu, allerdings nicht in dem Tempo, das sonst möglich gewesen wäre.Divergierende geografische VoraussetzungenDer Grössenvorteil von Julius Bär ermöglicht ihr eine deutlich stärkere geografische Diversifikation als der Konkurrenz. Nahezu die Hälfte aller von Vontobel verwalteten Gelder gehört Schweizer Kunden, nur gerade 10% stammen aus aufstrebenden Märkten in Asien und Lateinamerika.Bei EFG halten sich der Heimmarkt sowie Asien und Lateinamerika die Waage. Julius Bär erzielt mit nur 15% Schweiz-Anteil den Hauptteil ihres Ertrags in Asien, Lateinamerika, dem Nahen Osten, Osteuropa und Afrika. «Die grössere Präsenz in aufstrebenden Märkten verschafft Julius Bär und EFG mehr Dynamik als Vontobel mit ihrem hohen Anteil an gesättigten Märkten», betont ZKB-Analyst Regli.Aktionärsstruktur prägt die AusschüttungspolitikTrotz leicht gesunkener Rendite im Zuge der jüngsten Kursgewinne bleibt die für 2027 erwartete Dividende von Julius Bär und Vontobel mit rund 4% attraktiv. Die Kurskorrektur von EFG hat ihre Rendite auf höhere 4,7% steigen lassen. Dazu kommt: Als einzige der drei Banken bestreitet sie ihre Ausschüttung aus Kapitaleinlagereserven. So ist sie für Privatanleger steuerfrei, was die Dividende nochmals aufwertet.Auch beim Potenzial für Aktienrückkäufe gehen die Wege auseinander: Da Privatbanken praktisch jährlich einen höheren Gewinn erwirtschaften, als sie zur Unterlegung des Wachstums brauchen, akkumulieren sie Überschusskapital. Zwar könnte es über Aktienrückkäufe an die Investoren zurückgeführt werden. Doch dem setzt der Streubesitz Grenzen.Vontobel ist zu mehr als der Hälfte familiendominiert. Bei EFG hält die griechische Familie Latsis einen zwar etwas geringeren Anteil. Rechnet man dem Pool aber weitere Grossaktionäre zu – die brasilianische BTG Pactual sowie den ehemaligen Bär-CEO Boris Collardi –, schrumpft der frei handelbare Streubesitz wie bei Vontobel auf weniger als 40%. Bei einem Börsenwert von je gut 5 Mrd. Fr. verengt dies den Handel spürbar. Julius Bär weist dagegen bei einer Marktkapitalisierung von 15 Mrd. Fr. mehr als 80% frei handelbare Aktien auf.«Um das relativ tiefe Handelsvolumen nicht weiter zu verringern, verzichten Vontobel und EFG auf die Rückführung von Kapital via Aktienrückkäufe», sagt Analyst Regli. Stattdessen investiere EFG Überschusskapital in Akquisitionen – ein Weg, den auch Vontobel grundsätzlich beschreitet, zuletzt aber ohne grössere Transaktion. Die Folge ist, dass das Kapitalpolster von Vontobel derzeit fast doppelt so dick ist wie das vom Management definierte Minimum.Mit mehr als 18% liegt die Kapitalquote bei Julius Bär zwar ebenfalls deutlich über dem Managementziel. Das hat aber einen anderen Grund: Bär verfolgt die Strategie, Eigenkapital, das die Quote von 14% übersteigt, im Folgejahr via Rückkaufprogramme an die Aktionäre zurückzuführen. Aufgrund des Benko-Debakels und der deswegen noch immer laufenden Finma-Untersuchung ist das seit drei Jahren jedoch nicht möglich. Das Überschusskapital stapelt sich auf der Bilanz.Verloren ist es damit aber nicht, vielmehr herrscht die Erwartung, dass es zur Ausschüttung gelangt, sobald die Untersuchung abgeschlossen ist. Und der Betrag ist beachtlich: Mehr als 1 Mrd. Fr. Kapital hat sich inzwischen oberhalb der Ausschüttungsgrenze angesammelt.Das entspricht mehr als 5 Fr. je Aktie, fast doppelt so viel, wie im Frühling als Dividende ausgeschüttet worden war. Zur erwarteten Dividendenrendite von 4% besteht damit noch Potenzial für eine Rückkaufrendite von gut 6%. Nach Abschluss des Verfahrens der Finma könnte Bär damit insgesamt 10% ihrer Marktkapitalisierung an die Aktionäre zurückführen.Zusammenfassend lässt sich festhalten: Vontobel punktet mit Stabilität. Auch wenn sie jüngst eine starke Geschäftsentwicklung zeigte, erscheinen ihre strukturellen Wachstums- und Ausschüttungsperspektiven aber begrenzt, mit der Folge, dass derzeit (zu) viel Überschusskapital ungenutzt auf der Bilanz verharrt.Die starke Marktpositionierung von Julius Bär und EFG in aufstrebenden Regionen sowie ihr klarer Kostenfokus sprechen hingegen auch mittelfristig für weiteres Kurspotenzial. Ausserdem bieten sie die attraktivere Dividendenrendite – Julius Bär zudem die Aussicht auf umfangreiche Aktienrückkäufe.
Vontobel, Julius Bär und EFG: Welche Schweizer Privatbank die besten Chancen bietet
EFG überzeugt mit hohem Neugeldwachstum, Vontobel punktet mit Stabilität und Julius Bär birgt Potenzial für Kapitalrückführung.






