Ausgerechnet an dem Wochenende, an dem der „Spiegel“ Ulrich Siegmund zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ erklärt, sitzt Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat fast vier Stunden bei Podcaster Ben Berndt. Eigentlich sollte Siegmund dort gar nicht allein sitzen. Berndt wollte auch Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) einladen und beide Kandidaten miteinander diskutieren lassen. Aus Schulzes Büro sei schließlich die Absage gekommen: „Ich stehe für ein Duell nicht zur Verfügung.“

So wird aus dem geplanten Duell ein langes Gespräch unter zwei Männern, die sich gut verstehen. Sie sprechen über Kaffee, scherzen über Frauensauna und Privatflieger. Rund acht Stunden nach der Veröffentlichung haben über 800.000 Menschen auf das Video geklickt. Berndt kündigt zwar an, Siegmunds politische Agenda „challengen“ zu wollen. Zugleich sagt er aber auch, dass die AfD „in der Sache viele Argumente“ habe, „denen man sich kaum entgegenstellen kann“. Berndt selbst sagt über seine Rolle, er wolle weder Opposition noch Journalist sein, sondern verstehen, „wie die ticken“.

Durch Zufall in den Landtag

Siegmund erzählt zunächst viel über seinen eigenen Weg. 2014 trat er der damals noch jungen AfD bei, zwei Jahre später zog er mit 25 Jahren in den Landtag ein. Geplant sei das keineswegs gewesen, sagt er heute. Bei der Listenaufstellung habe die Partei noch mit einem deutlich schwächeren Ergebnis gerechnet, er selbst stand auf Platz 15. „Also es war mehr oder weniger ein Zufall“, sagt Siegmund über seinen Einzug. Heute könnte er der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden.