Was ist deutsch? – Ich geriet vor dieser Frage in immer größere Verwirrung“, schrieb Richard Wagner 1878 in einem Aufsatz. Darüber hatte sich der berühmte Komponist bereits seit 1865 den Kopf zerbrochen. 13 Jahre später war er keinen Schritt weiter und erklärte sich selbst „zur weiteren Beantwortung der Frage ‚Was ist deutsch?‘ für unfähig.“
Wagners Schriften sind mit Vorsicht zu genießen, besonders wegen seines obsessiven Antisemitismus, aber er unternimmt in seinem Essay dennoch den interessanten Versuch, sich seiner „verhängnisvollen Frage“ über Porträts von Menschen anzunähern, die die deutsche Geschichte prägten.
Dazu führt er ein eindrucksvolles Beispiel an: „Will man die wunderbare Eigentümlichkeit, Kraft und Bedeutung des deutschen Geistes in einem unvergleichlich beredten Bilde erfassen“, schrieb Wagner, so blicke man auf die „Erscheinung des musikalischen Wundermannes Sebastian Bach“.
Im berühmten Konterfei des Komponisten Johann Sebastian Bachs fand Wagner ein treffenderes Bildnis von dessen Zeit: „diesen Kopf, in der wahnsinnigen französischen Allongenperücke versteckt“, schrieb er über Bach, „selbst in der Musik eine Kunstform vorfindend, welche äußerlich das ganze Abbild seiner Zeit war, trocken, steif, pedantisch, wie Perücke und Zopf in Noten dargestellt: und nun sehe man, welche Welt der unbegreiflich große Sebastian aus diesen Elementen aufbaute!“







