PfadnavigationHomePolitikDeutschlandJahrestag des MauerbausAfD und Linke „produzieren positive Zerrbilder der DDR“, warnt WeimerStand: 05:35 UhrLesedauer: 3 MinutenKulturstaatsminister Wolfram WeimerQuelle: Georg Wendt/dpaWolfram Weimer sorgt sich um die DDR-Erinnerungskultur. Gerade mit Blick auf den Ausgang der Wahlen in Sachsen-Anhalt und Berlin befürchtet der Kulturstaatsminister Veränderungen.Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) warnt zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer vor einer Verharmlosung der DDR-Diktatur. AfD und Linkspartei würden „in Ostdeutschland positive Zerrbilder der DDR produzieren. Bei der AfD reicht das bis zum Singen der DDR-Nationalhymne“, sagte Weimer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag) mit Blick auf eine AfD-Veranstaltung mit dem Kabarettisten Uwe Steimle Mitte Juli in Dessau.Der für Gedenkstätten zuständige Staatsminister macht sich nach eigenen Worten „große Sorgen“ um die Erinnerungskultur in Sachsen-Anhalt und Berlin, wo im September Wahlen stattfinden. „Wenn Sachsen-Anhalt nach rechts außen und Berlin nach links außen abrutscht, dann wird die Erinnerungspolitik in beiden Fällen anders sein als zuvor“, sagte Weimer. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine absolute Mehrheit erreichen, in Berlin führt in einigen Umfragen die Linkspartei.Lesen Sie auchAls „aktive Form der Erinnerungsarbeit“ regte Weimer an, Straßen und Plätze nach Widerstandskämpfern aus der DDR zu benennen. „Zum Beispiel überall dort, wo neue Straßen entstehen, sollte man zumindest über Namensgeber nachdenken, die durch die kommunistische Diktatur getötet wurden oder im Gefängnis saßen“, sagte er.SED-Opferbeauftragter: „Einigen erscheint die DDR zunehmend schöner“Die SED-Opferbeauftragte des Bundestags, Evelyn Zupke, warnte ebenfalls vor einer zunehmenden Verklärung der DDR. „Einigen erscheint die DDR zunehmend schöner, je länger sie zurückliegt“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Dabei werde das tatsächliche Leben in der DDR ausgeblendet. „Menschen, die Widerspruch geäußert oder sich nicht angepasst haben, haben schwer unter der Diktatur gelitten. Bei den Opfern wirken diese Erfahrungen bis heute nach.“Der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Dieter Dombrowski, warnte vor Gefahren für die Demokratie und eine schleichende Legitimierung des Sozialismus. Auch er betonte: „Diese Tendenz nimmt links wie rechts zu.“Lesen Sie auchMit Blick auf die Linke in Berlin sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Vergesellschaftung bedeutet nichts anderes als Volkseigentum und damit organisierte Verantwortungslosigkeit.“ Der Jahrestag habe für die meisten Menschen keine Bedeutung, sofern sie nicht selbst vom Mauerbau betroffen gewesen seien. „Am 14. August geht es weiter wie immer.“Lesen Sie auchDie Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt sieht in den materiellen Ost-West-Unterschieden eine Gefahr für die Demokratie. So habe Westdeutschland weiterhin ein enormes Übergewicht beim Eigentum, bei Löhnen und Gehältern, sagte sie dem RND. „Zugleich bestehen die Verharmlosung und Romantisierung der DDR fort. Das ist gefährlich.“ Die Mauer sei 1989 zwar „zum Einsturz gebracht worden“, doch die Selbstbefreiung der Ostdeutschen spiele kaum eine Rolle.Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus wird am Donnerstag in Berlin an die Opfer der deutschen Teilung erinnert. An den ab dem 13. August 1961 errichteten Grenzanlagen kamen mindestens 140 Menschen bei Fluchtversuchen ums Leben. Mit dem Mauerfall vom 9. November 1989 endete die Teilung. Zu einer Gedenkveranstaltung in der Bernauer Straße werden unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Kulturstaatsminister Weimer sowie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) erwartet.epd/kna/luwi