Der Schriftsteller Boris Schumatsky veröffentlicht mit „Die Seine fließt ins Schwarze Meer“ einen großen Roman über menschliche und politische Abgründe.

Mit dem ersten Satz dieses in vielerlei Hinsicht herausragenden Buchs wird nicht nur der melancholische Grundton, sondern auch ein wesentliches Leitmotiv der Prosa etabliert, nämlich der leidvolle Konflikt zwischen politischen Gewaltverhältnissen und künstlerischer Bestimmung: „Statt zu schreiben, könnte ich fliegen, ich könnt meine Mutter wieder umarmen, vielleicht zum letzten Mal.“

Mit dem eindringlichen Textbeginn hatte Boris Schumatsky schon beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb im vergangenen Jahr überzeugt und mit dem Deutschlandfunk-Preis den zweiten Platz des Wettlesens am Wörthersee belegt.

Aus der halbstündigen Erzählung ist ein 400 Seiten starker Roman mit dem anspielungsreichen Titel „Die Seine fließt ins Schwarze Meer“ entstanden, der die Ahnung des Klagenfurter Publikums bestätigt, aus diesem Stoff könne ein großer Wurf werden: Zunächst steht die Lebensgeschichte des Ich-Erzählers im Mittelpunkt, der – wie der Schriftsteller Schumatsky – Mitte der 1960er Jahre in Moskau geboren wurde und von Kindesbeinen an mit dem Gewaltsystem der Sowjetunion konfrontiert ist.