Schon das letzte Buch von Mikhail Zygar war eine eher unwahrscheinliche Unternehmung. Es gibt Hunderte, weltweit sogar eher Tausende Bücher über Ursachen und Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, Putins Größenwahn und die neue Weltordnung. Aber doch kaum eines von einem prominenten Russen, der sagt, er fühle sich schuldig, er habe den Kampf gegen diesen Krieg zu seiner Sache gemacht, und es sei „Zeit, dass wir Russen eine Debatte mit uns selbst beginnen“. Denn „wir kennen vor allem eine propagandistische Version der russischen Geschichte aus einem imperialen Blickwinkel, der den Exzeptionalismus Russlands und seine ewige Größe beschwört“, wie Mikhail Zygar bei einem Treffen in Berlin betont.