PfadnavigationHomeICONISTService„Five Bedrooms“ bis „You & Me“Explosion über Schottland, Schicksalsschlag nach Geburt – unsere Serien-Tipps im AugustStand: 08:12 UhrLesedauer: 4 MinutenKein Spaß: Ermittler Ed McCusker mit seiner Frau bei einer Trauerfeier in „The Bombing of Pan Am 103“Quelle: Netflix.comDie israelische Spionageserie „Teheran“ erklärt erstaunlich aktuell, wie es im Iran zugeht, „Bombing of Pan Am 103“ rekonstruiert das Lockerbie-Desaster, „You & Me“ erzählt tiefgründig von Trauer und Liebe. Unsere Streaming-Highlights des Monats.„Teheran“Wer die Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Iran besser verstehen möchte, findet in der israelischen Spionageserie „Teheran“ packendes Anschauungsmaterial. Vor allem die erste Staffel hat es in sich und kann sich mit großen US-Produktionen messen: Sie begleitet die junge Mossad-Agentin und Hackerin Tamar Rabinyan (Niv Sultan), die unter falscher Identität in die iranische Hauptstadt eingeschleust wird. Ihr Auftrag: die iranische Luftabwehr sabotieren und so einen israelischen Angriff auf eine Atomanlage ermöglichen. Als die Mission scheitert, beginnt ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit den Sicherheitskräften der Revolutionsgarde. Die Serie ist bereits im Sommer 2020 angelaufen, wirkt aber erstaunlich aktuell, weil sie viele Themen aufgreift und dramatisiert, die den realen Konflikt seit Jahren prägen: Geheimdienstoperationen, Cyberangriffe, das iranische Atomprogramm und die Lebensrealität einer Gesellschaft zwischen brutaler Unterdrückung und Widerstand. Die Serie vermeidet simple Schwarz-Weiß-Zeichnungen, wird dadurch zu einem „Guilty Pleasure“ mit geopolitischer Relevanz. Heiko ZwirnerIm Streaming auf Apple TV+„The Bombing of Pan Am 103“Die Achtziger waren wohl das letzte Jahrzehnt der Unbefangenheit im Flugverkehr. Passagiere bis ans Gate begleiten? Für Angehörige kein Problem. Flüssigkeiten nur im 1-Liter-Beutel? Unbekannt. Am 21. Dezember 1988 endete diese Unbefangenheit abrupt. Pan-Am-Flug 103, auf dem Weg von London nach New York, explodierte über dem schottischen Dorf Lockerbie. 270 Tote. Die sechsteilige BBC-Miniserie „The Bombing of Pan Am 103“, nun auf Netflix, rekonstruiert die Ermittlungen. Autor Jonathan Lee setzt weder auf Action- noch auf Katastrophenbilder, sondern auf die mühsame Zusammenarbeit des schottischen Polizisten Ed McCusker (Connor Swindells) und des FBI-Agenten Dick Marquise (Patrick J. Adams). Zwei Behörden, zwei Mentalitäten, ein Ziel: die Auftraggeber finden. Auffällig ist, wie konsequent die Serie ihre Achtziger-Ästhetik nicht als Nostalgie ausstellt, sondern als historische Oberfläche nutzt. Kaltes Neonlicht in Flughafengängen, schwere Wollmäntel, Aktenordner, Röhrenmonitore. Eine analoge Welt kurz vor dem Kipppunkt. Das Setting macht sichtbar, wie anders Ermittlungen funktionierten, bevor globale Sicherheitsroutinen selbstverständlich wurden. Ihre stärksten Momente hat die Serie jedoch dort, wo sie sich von der Ermittlungsarbeit löst. Wenn es menschlich wird. Das Durchhalten trotz einzelner Längen wird belohnt. Versprochen. Caroline BörgerIm Streaming auf Netflix„You & Me“Selten hat ein Beziehungsdrama so viel Tiefgang wie die britische Miniserie „You & Me“, die gerade in der Arte-Mediathek zu sehen ist: Ben (Harry Lawtey) und Jess (Sophia Brown) merken schon nach kurzer Zeit, dass die zufällige Begegnung in einem Londoner Doppeldecker der Beginn einer echten Beziehung sein könnte. Sie verlieben sich Hals über Kopf, und als Jess mit Zwillingen schwanger wird, ist ihr Glück perfekt. Doch das Schicksal schlägt direkt nach der Geburt der Kinder zu. Ein Auto fährt in das Taxi, mit dem die junge Mutter nach der Entlassung aus dem Krankenhaus gemeinsam mit den Neugeborenen nach Hause fährt. Das kleine Mädchen und der Junge überleben. Jess stirbt. Ben, der als Journalist arbeitet, kämpft sich mithilfe seiner Mutter als alleinerziehender Vater durchs Leben. Die Kinder geben ihm viel. Die Wunde aber, die der schwere Verlust geschlagen hat, kann über viele Jahre nicht heilen. Bis er bei einem Interview der Schauspielerin Emma (Jessica Barden) begegnet, die ihre eigene tragische Geschichte hat. „You & Me“ erzählt einfühlsam von Trauer und Neuanfang, von Zweifeln, Schuldgefühlen und der Frage, ob es auch nach einem tiefen Schmerz eine neue Chance auf Glück geben kann. Claudia BeckerStreamen in der Arte-MediathekLesen Sie auch„Five Bedrooms“ Eine WG der besonderen Art: Am feucht-fröhlich-verzweifelten Single-Tisch auf einer Hochzeit entsteht die Idee, zu fünft gemeinsam ein Haus zu kaufen – für jeden Einzelnen die Chance, endlich Immobilienbesitzer zu werden. Handwerker Ben lebt gerade in einem Wohnwagen, Hotshot-Anwältin Liz musste nach ihrer Scheidung aus dem ehelichen Haus ausziehen, ihr bester Freund Harry, ein Arzt, wohnt noch bei seiner Mutter, Maklerin Ainsley in einer Granny Unit im Garten ihrer Vermieterin. Und ihr Kollege und On-off-Geliebter Lachlan wurde gerade von seiner Frau rausgeschmissen. Aus der Idee wird tatsächlich ein Plan, der in die Tat umgesetzt wird, und aus den fünf eigenwilligen Singles wird, teilweise etwas widerstrebend, eine Gemeinschaft von Freunden. Lachlan fliegt schnell raus, und statt ihm zieht Ainsleys Vermieterin ein, die herbe Heather, Altenpflegerin, die nach rund 25 Jahren Ehe einfach müde ist – ihres Mannes und ihrer erwachsenen, immer noch zu Hause lebenden Söhne. Was erst einmal nach etwas holzschnittartiger Charakterzeichnung klingt – muskulöser Handwerker, zickige Karrierefrau, schwuler Arzt –, entfaltet schnell mehr Tiefe und Facettenreichtum. Die australische Serie hat viel Witz, Wärme und Charme und eignet sich hervorragend zum Binge-Watching. Annemarie BallschmiterStreamen in der Arte-MediathekIn unserem Newsletter, der jeden Freitag erscheint, bekommen Sie die Tipps als allererstes. Hier geht’s zur Anmeldung:ball, cb, clb, hz