PfadnavigationHomeICONISTServiceStreaming-TippsHorror in Island, Regen in Paris und der Kampf ums Weiße Haus – diese Serien lohnen sichVeröffentlicht am 16.11.2025Lesedauer: 7 MinutenSie sollte Vizepräsidentin der USA werden, er bekam den Job. Keri Russell und Rufus Sewell als Ehepartner und Konkurrenten in „Diplomatische Beziehungen“, Staffel 3Quelle: Netflix.comDas „Diplomatische Beziehungen“-Powerpaar muss nebenbei einen Weltkrieg verhindern, eine mexikanische Serie erinnert an den Block-Prozess in Hamburg und in Island ist das Böse stets arg nah. Unsere Serien des Monats.„Diplomatische Beziehungen“ – Staffel 3Eine der wenigen Serien, bei der der deutsche Titel besser passt als der Englische („The Diplomat“). Denn die Serie über das Diplomatenehepaar Kate und Hal Wyler, gespielt von Keri Russell und Rufus Sewell, die beide – reine Spekulation – vermutlich in zwei Staffeln gegeneinander um die US-Präsidentschaft kämpfen, könnte man auch „Szenen einer Ehe“ nennen. Wie bei so vielen Serien, die sehr erfolgreich starteten und damit zur möglichst langen Fortsetzung verdammt sind, geht von Staffel zu Staffel etwas vom Charme verloren. War es in Staffel 1 und auch 2 noch sehr besonders zu sehen, wie eine Frau, die jahrelang supereffektiv im Hintergrund ihres mehr als ausgebufften Botschafterehemanns wirkte, auf einmal ins Rampenlicht geschubst wurde als Botschafterin der USA in London und auserkorene nächste Vizepräsidentin, während er zum „Ehemann der Botschafterin“ degradiert wurde. Dieser Strang funktioniert auch in Staffel 3 noch, aber man merkt schon, dass immer absurdere Wendungen gebraucht werden, um die Story voranzutreiben. Am Ende von Staffel 2 wollte Hal für seine Kate die amtierende Vizepräsidentin endgültig diskreditieren. Während seines Telefonats mit dem US-Präsidenten starb dieser aber an einem Herzinfarkt – und die eigentlich Abservierte auf einmal Präsidentin. Das bringt in Staffel 3 mit deren Wahl ihres Vize die nächste sehr schräge Wende. Sie wählt Hal, der ihr ins Oval Office folgt (sie gönnt sich dafür in London einen britischen „Boyfriend“). Ach ja – und dann gibt es noch ein russisches U-Boot mit einer neuen atomaren Superbombe namens „Poseidon“, das vor der britischen Küste gesunken ist – und dessen Fracht Begehrlichkeit aller großen Mächte weckt. Und natürlich hat sich Debora Cahn, die Showrunnerin, am Ende von Staffel 3 wieder etwas überlegt, das alles verändert. Wir bleiben also dran. Volker CorstenIm Streaming auf Netflix „Reykjavík 112“Der siebenjährigen Margrét passiert das Schlimmste, was einem Kind passieren kann. In das Haus, in dem sie mit ihren wohlhabenden Eltern in einem Vorort der isländischen Hauptstadt Reykjavík lebt, wird eingebrochen. Während sie sich unter dem Bett verstecken kann, muss sie beobachten, wie ihre Mutter bestialisch getötet wird. Die Krimiserie „Reykjavík 112“, die gerade in der ARTE-Mediathek zu sehen ist, erzählt eine ebenso düstere wie mit vielen ungeheuer überraschenden Wendungen versehene Geschichte, die vor allem mit einer Erkenntnis erschreckt: Das Böse kann sehr nah sein – in Gestalt von Menschen, von denen wir es am wenigsten erwarten. Und sie erinnert auf erschreckende Weise daran, was eine verletzte Liebe mit einem Menschen anrichten kann. Für beruhigende und berührende Momente sorgen in der deutsch-französisch-isländischen Bestsellerverfilmung nicht zuletzt die Hauptdarsteller Kommissar Huldar (Kolbeinn Arnbjörnsson) und die Kinderpsychologin Freyja (Vivian Olafsdóttir), die mit viel Einfühlungsvermögen Margréts Erinnerungen weckt. Claudia BeckerIm Streaming auf Arte „Niemand sah uns gehen“Ähnlichkeiten zum derzeit viel diskutierten Prozess der Unternehmerfamilie Block sind im Fall dieser fünfteiligen Netflix-Serie aus Mexiko zwar nicht beabsichtigt, für deutsche Zuschauer aber kaum zu übersehen. Denn „Niemand sah uns gehen“ (im Original: „Nadie nos vio partir“) handelt ebenfalls von einem Kindesentzug: Der Vater entführt die beiden Kinder, bringt sie außer Landes, die Mutter findet sie mithilfe ehemaliger Mossad-Agenten – und es kommt zum Sorgerechtsprozess. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Tamara Trottner, die selbst als Kind von ihrem Vater entführt wurde. Gedreht ist sie im Stil eines Hollywoodfilms der 60er, also jener Epoche, in der sie auch spielt. Der Plot: Eine arrangierte Hochzeit zwischen zwei wohlhabenden, mächtigen jüdischen Familien in Mexiko – eine Verbindung, die weniger auf Liebe als auf wirtschaftlichen Interessen beruht. Das Paar, Valeria und Leo, bekommt zwei Kinder, doch dann verliebt sich Valeria – ausgerechnet in den Onkel ihrer Kinder. Auf Geheiß seines übermächtigen Vaters entführt Leo die Kinder und flieht mit ihnen bis in einen Kibbuz in Israel. „Niemand sah uns gehen“ wirkt – im besten Sinne – wie aus der Zeit gefallen. Eine Serie, die sich Zeit nimmt, um Blicke, Gesten und Musik wirken zu lassen – und so die stumme Verzweiflung aller entfaltet. Unbedingte Taschentuchpflicht! Volker CorstenIm Streaming auf NetflixLesen Sie auch„Das Gesetz nach Lidia Poët“ – Staffel 2„Wenn Gott gewollt hätte, dass du Anwältin wirst, hätte er dich nicht als Frau erschaffen.“ – Aus diesem Satz wird in „Das Gesetz nach Lidia Poët“ der Antrieb einer jungen Frau, die sich im Turin des 19. Jahrhunderts weigert, stillzuhalten. Nein, sie ist auch zu Beginn von Staffel 2 noch keine zugelassene Anwältin. Aber schafft sie es vielleicht in die Politik? Matilda De Angelis spielt die geniale Lidia Poët erneut mit Witz, Wut und einer Eleganz, die selbst die steifsten Herren in jener von Männern für Männer gemachten Welt mindestens zum Nachdenken bringt. Zwischen Korsett, Paragraf und Patriarchat löst sie ihre Fälle sowie kleinere und größere Familiendramen mit derselben Leichtigkeit, mit der andere ihren Hut abnehmen. Die Serie ist feministisch – aber nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern mit dem Florett und jeder Menge Sarkasmus. Wer Historienserien (und die erste Staffel) liebt, kann sich hier verlieren – und will es auch. In den neuen Folgen wird nun alles etwas ernster, größer, politischer, emotionaler: Lidia kämpft längst nicht mehr nur für sich, sondern für all jene, die nach ihr kommen. Freundschaft, Loyalität, Liebe – alles darf schimmern, nichts muss knallen. Ja, manchmal weiß man zu früh, wer der Täter ist. Aber das ist egal. Die Krimifälle sind schmückendes Beiwerk. Das Herzstück bleibt Haltung – und De Angelis, die jede Szene trägt, als wäre sie ihr, wie ihre strengen Gehkleider, auf den Leib geschneidert. Am Ende hofft man, dass die Gerechtigkeit nicht das Einzige ist, was weitergeht. (Die dritte Staffel wurde bereits bestätigt.) Dietgard SteinIm Streaming auf Netflix„Victoria Beckham“Eine britische Geschichte, die in Rollercoaster-Manier amerikanischer nicht erzählt werden könnte: Diesmal geht es bei den Beckhams um Victoria („Es geht nicht um ihn, es geht um mich“), die ihre Geschichte erzählt. Das tut sie mit Leidenschaft, Inbrunst, Tränen – und mit jenem Humor, der das Paar immer schon so entertaining machte. Wie aus dem kleinen, nicht perfekt aussehenden Mädchen aus Hertfordshire, das auf die Bühne drängte, erst Posh Spice wurde, dann die berühmteste „Spielerfrau“ der Welt – und schließlich eine angesehene Modedesignerin, die vor dem Bankrott stand und sich rettete. „Victoria Beckham“ ist eine klassische Folge-deinem-Traum-Story, erzählt von und aus der Sicht einer Frau, die offenbar nie das Gefühl hatte, den Anforderungen anderer zu genügen – vor allem nicht den eigenen. Eine Frau, die Häme und Missgunst nur noch härter und ehrgeiziger machten. Victoria erzählt, wie sie das Mode-Machen mithilfe von Roland Mouret von Grund auf lernte, wie sie sich durchkämpfte, wie sie selbst von Anna Wintour – die sie lange ignorierte – schließlich anerkannt wurde. Wie Ruhm, Mitarbeiterzahl und Shows in den 2010er-Jahren explodierten, die Verkäufe aber nicht. Wie David immer wieder finanziell aushelfen musste, wie demütigend das für sie war – und wie sie vor dem Bankrott stand und ihn mithilfe eines Investors, der die Kosten in den Griff bekam, abwenden konnte. Drei Teile hat die Doku, produziert von der Beckham-Firma Studio 99. In Rückblicken wird Victorias Weg zur Designerin erzählt – dramaturgisch läuft alles auf das große Finale zu: die Beckham-Show bei der Fashion Week am 27. September 2025. Location: ein baufälliges Schloss vor den Toren von Paris. Dramatisches Highlight: Die Show muss draußen stattfinden – und es schüttet seit Tagen. Volker CorstenIm Streaming auf NetflixIn unserem Newsletter, der jeden Freitag erscheint, bekommen Sie die Tipps als allererstes. Hier geht’s zur Anmeldung:clb,vc, st
Streaming-Tipps: Horror in Island, Regen in Paris und der Kampf ums Weiße Haus – diese Serien lohnen sich - WELT
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