Pünktlich um 10 Uhr steht Thommy Vock an diesem Samstagmorgen vor seiner Wohnung im Wedding. In zwei Tagen wird er 71, doch heute ist er nicht in Feierlaune. Vier orange Warnwesten der BSR klemmen unter seinem Arm, Müllzangen und Plastiksäcke. „Als ich hierhergezogen bin, habe ich einen Schock gekriegt“, sagt der Rentner.

Vock ist niemand, der wegguckt oder den Kopf einzieht, das wird an diesem Samstag noch häufig klar. Wenn Vock jemanden sieht, der Müll auf die Straße wirft, spricht er ihn an. Und wenn Vock seinen Kiez zu dreckig findet, gründet er eine CleanUp-Gruppe. Deshalb stehen nun Peter H. und Marie P. (Name geändert) neben ihm auf der Straße im Antonkiez. Vock sagt: „Nicht jeden Zigarettenstummel aufheben, sonst kommen wir nicht vorwärts.“

Drei Leute, zwischen 30 und 70 Jahren, mit Warnwesten auf dem Weg durch den Wedding. Sie sammeln Verpackungen, Zigarettenfilter, Plastikbecher. Aber auch: Patronenhülsen, Spritzen, Kondome. Es sind zwei Stunden, in denen viele Probleme dieser Stadt zur Sprache kommen. Zwei Stunden, in denen hauptsächlich auf den Boden geschaut wird, denn da liegt, was die Berliner einfach nicht richtig entsorgen wollen: Müll.

Es wird immer nur mehr: 60.000 Kubikmeter