Ein Rentner räumt Dreck weg. Zwei Tage vor seinem 71. Geburtstag steht er in Wedding auf der Straße. Warnweste, Müllzange. Er sammelt ein, was andere fallen lassen: Verpackungen, Kippen, Becher. Auch Spritzen, Patronenhülsen, Kondome. Zwei Stunden später trägt er das Werkzeug zurück in den Keller.
So funktioniert Berlin: Ehrenamtliche bügeln das Versagen der Stadt aus, der Rest behandelt Berlin wie einen dunklen, verschimmelten Hausflur, den irgendwer schon putzen wird. Die Hauptstadt hat ihren Anstand ausgelagert. An Rentner mit Müllzange.
6400 Tonnen Müll, vier Kontrolleure
Mindestens 6400 Tonnen illegal abgelagerten Müll hat die BSR 2025 beseitigt, rund 60.000 Kubikmeter, Elektroschrott noch nicht eingerechnet. Rechnung an das Land Berlin: 13,1 Millionen Euro, ein Plus von 27 Prozent. Bezahlt aus dem Haushalt, also von allen – auch von denen, die ihren Sperrmüll anmelden und noch naiv genug sind, Regeln ernst zu nehmen.
Dagegen im Einsatz: vier Waste Watcher, in vier von zwölf Bezirken. Vier Kontrolleure für 3,9 Millionen Menschen. Das ist keine Personallücke. Das ist Kapitulation in Warnweste. Denn jahrelang galten Kontrollen als entbehrlich, es gab Wichtigeres.








