Auch nach dem dritten Interview hatte sich Lea Meyer noch nicht abgeregt. „Heute haben nicht die besten Läuferinnen gewonnen, sondern die besten Wettkämpferinnen“, ärgerte sich die 28-Jährige nach dem EM-Finale über 3000 Meter Hindernis, in dem sie am letzten Wassergraben gestürzt und – trotz langer Führungsarbeit – ohne Medaille geblieben war: „In Los Angeles trete ich als deutsche Rekordhalterin an.“Meyers Kritik richtete sich vor allem an die neue und alte Europameisterin Gesa Krause. Meyer hatte gleich ein hohes Tempo vorgegeben und Krause damit ungewollt in die Karten gespielt. Die 34-Jährige ließ sich nicht abhängen, ging aber auch nicht nach vorne. Auf der Schlussrunde setzte Krause dann zur Attacke an. Nur die Französin Alice Finot konnte ihr folgen, aber auf der Zielgeraden musste auch sie abreißen lassen.Viel Ärger im SpielMeyer redete und redete. Nach dem Rennen hatte sich viel Frust angestaut, der einfach einmal herausmusste: „Ich finde, ich hätte die Medaille verdient“, sagte sie und ärgerte sich darüber, dass sich Krause den ganzen Lauf über im Windschatten aufgehalten habe.„Wer die Führungsarbeit macht, entscheidet sich selbst dazu“, erwiderte Krause mit der Gelassenheit von drei EM-Titeln: „Ich bin einfach nicht so die Frontläuferin“, sagte sie, „sondern jemand, der gerne auf der letzten Runde Gas gibt – vor allem bei Meisterschaften.“Nachdem Krause im vergangenen Jahr ausprobiert hatte, wie konkurrenzfähig sie auf längeren Distanzen ist, hat sie sich inzwischen wieder der Mittelstrecke verschrieben und will dieser auch mindestens noch bis 2028, bis zu den Olympischen Spielen in Los Angeles, erhalten bleiben.„Nach acht Jahren wieder ganz oben auf dem Podium stehen zu dürfen, ist schon sehr besonders“, sagte Krause, die erstmals seit der Geburt ihrer Tochter im April 2023 wieder einen internationalen Titel gewann. 2016 in Amsterdam war sie erstmals Europameisterin geworden und zwei Jahre später in Berlin nochmals. „Ich bin einfach sehr stolz“, sagte Krause: „Ich bin schon so viele Jahre dabei und ich weiß, dass diese Momente nicht mehr so häufig kommen werden.“Vielleicht fand Meyer auch deshalb – trotz aller Enttäuschung – schließlich die Größe, ihrer Konkurrentin zu gratulieren. Sie sei in den entscheidenden Momenten nicht gut genug gewesen und habe Fehler gemacht, schrieb Meyer am Freitag auf Instagram: „Gesa ist verdient Europameisterin geworden. Sie hat die beste Taktik gewählt und ihre Stärken ausgespielt.“