Um tatsächlich bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu werden, müssten Deutschland und die EU ihre bisherigen Anstrengungen vervielfachen. Wenn alles über grünen Strom funktionieren soll, braucht es drei Grundvoraussetzungen: ein größeres Stromnetz, viel mehr Stromspeicher und mehr steuerbare Kraftwerke, die bei einer Dunkelflaute als Back-up dienen.
Allein beim Ausbau des Stromnetzes dürften auf Übertragungs- und Verteilebene Investitionen von mehr als 600 Milliarden Euro anstehen – für 17.000 Kilometer neue Stromautobahnen und rund 300.000 Kilometer neue Stromlandstraßen. Ist das alles wirklich notwendig? Oder gibt es andere Lösungen?
Herr Neldner, wir sind zum Interview zusammengekommen, weil die Ostdeutsche Allgemeine und die Berliner Zeitung neulich den Netzbetreibern die Schuld daran gegeben haben, dass Netzausbau und Energiewende so langsam vorankommen. Sie haben daraufhin etwas protestiert.
Also das Stromnetz ist nur ein Element dieses Energiesystems, und alles beim Netz festzumachen, ist ein Stückchen zu kurz gedacht. Immerhin sind seitdem 3000 Kilometer neu gebaut und vieles steht kurz vor der Genehmigung. Aber es ist hochschwierig, eine Stromleitung zu bauen, allein wegen des Genehmigungsverfahrens. Das betreut mittlerweile bei wichtigen und großen Leitungen die Bundesnetzagentur, also kann es nicht mehr allein an den Netzbetreibern liegen. Aber es sind nach wie vor sehr, sehr viele Schritte, bis die Bagger endlich anrollen können. Nicht nur in Deutschland – auch in Spanien oder Frankreich kann so etwas schon einmal 30 Jahre dauern. Das liegt aber nicht allein an den Netzbetreibern.








