Die Energiewende kommt an einen kritischen Punkt: Das Stromnetz ist zu klein. Doch Elektromobilität und Wärmepumpen erfordern eine immer höhere Stromproduktion. Gleichzeitig liegen die deutschen Strompreise im europäischen Vergleich an der Spitze. Dann rückt auch noch der Kohleausstieg immer näher. Die Bundesregierung hat daher neue Gaskraftwerke ausgeschrieben und will nun den Ausbau erneuerbarer Energien stärker reglementieren. Doch eine echte Strategie für die Energiewende sei nach wie vor nicht zu erkennen, sagt Professor Volker Quaschning von der HTW Berlin im Interview mit der Ostdeutschen Allgemeinen und der Berliner Zeitung. Quaschning gilt als entschiedener Verfechter der Energiewende.

Herr Professor Quaschning, auch wenn die Solaranlage auf der Wiese günstig Strom produziert, ist der Strom aus der Steckdose für Haushalte und Wirtschaft im EU-Vergleich äußerst teuer. Über die Jahre konnten Politik und Energiebranche die Kosten und Preise nicht senken. Die Akzeptanz für die Energiewende hat daher in der Bevölkerung nachgelassen. Warum sollen wir in Deutschland noch weiter Solar- und Windkraftanlagen aufstellen?

Wir haben in der letzten Energiekrise wieder gesehen, dass wir massiv von Importen abhängig sind. 70 Prozent unserer Energie müssen wir noch importieren – Kohle, Gas, Öl. Und wenn Donald Trump einen Schnupfen kriegt, dann haben wir in Deutschland ein Energieproblem. Deswegen ist es enorm wichtig, dass wir uns unabhängig machen. Und vor vier Jahren, nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, hatten wir fast einen Zusammenbruch der Wirtschaft, weil die Gaspreise durch die Decke gingen – und damit auch die Strompreise. Diese Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern sind wirtschaftlich fatal. Auf der anderen Seite haben wir auch noch ein Klimaproblem. Mit den Erneuerbaren schlagen wir so zwei Fliegen mit einer Klappe: mehr Resilienz und Klimaschutz.