Zwei Zahlen machen klar, dass es so nicht weitergehen kann: Wind und Sonne produzieren mittlerweile gut sieben Mal so viel Strom wie noch vor zwanzig Jahren. Doch das Übertragungsnetz hinkt hinterher. Es wurde bisher nur ein Sechstel so weit ausgebaut wie geplant.Anzeige

Die Folge: Das Stromnetz kommt an seine Grenzen. Um Stromausfälle zu vermeiden, müssen Netzbetreiber immer häufiger eingreifen – etwa, indem sie Windparks abregeln oder fossile Kraftwerke hochfahren, wenn die Erneuerbaren zu viel oder zu wenig liefern. Die Kosten dafür gehen in die Milliarden.

Die ursprüngliche Fassung dieses Textes ist in der Ausgabe 2/2026 von MIT Technology Review erschienen. Darin beschäftigen wir uns mit den Grenzen und Möglichkeiten der Anpassung des Menschen. Aufgrund des großen Interesses unserer Leser:innen veröffentlichen wir den Text hier erneut. Das Heft könnt ihr online bestellen und im Zeitschriftenhandel erwerben.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert, den Zubau der Erneuerbaren „räumlich und zeitlich besser mit dem Netzausbau zu synchronisieren“. Dazu will sie unter anderem die Förderung der Erneuerbaren zurückschrauben und neue Gaskraftwerke bauen. Im Februar sickerten die Pläne für ein „Netzpaket“ des Bundeswirtschaftsministeriums durch. Eine zentrale neue Maßnahme darin ist der sogenannte „Redispatch-Vorbehalt“: Baut jemand einen neuen Wind- und Solarpark in einer Gegend, in der das Netz regelmäßig überlastet ist, bekommt er keine Ausgleichszahlungen mehr, wenn die Anlagen abgeregelt werden müssen. Als überlastet gilt ein Netzgebiet dem Entwurf zufolge, wenn dort regelmäßig drei Prozent des theoretisch verfügbaren Stroms nicht eingespeist werden können. Davon wären große Teile des Landes betroffen. Für Investoren bedeutet das: Rendite und Kalkulierbarkeit ihrer Einnahmen sinken – und die Finanzierung wird entsprechend teurer.Anzeige