GastkommentarGabriel RumoOECD-Steuer: Eine Abkehr im Alleingang wäre der falsche WegDie Debatte um die Rückkehr zu einer Situation vor Einführung der OECD-Mindestbesteuerung verstellt den Blick auf die wirklichen Herausforderungen. Die Schweiz sollte sich auf die Frage konzentrieren, wie sie in der neuen Steuerwelt erfolgreich sein kann.14.08.2026, 05.20 Uhr3 LeseminutenBlick auf den OECD-Hauptsitz in Paris.Wu Huiwo / ImagoDrei Jahre nach der Abstimmung über die OECD-Mindeststeuer wird darüber diskutiert, ob die Schweiz wieder aus der OECD-Mindeststeuer aussteigen soll. Diese Diskussion greift zu kurz. Es war immer klar, dass die OECD-Mindeststeuer die Attraktivität der Schweiz als Wirtschaftsstandort schwächt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die alte Steuerwelt existiert jedoch nicht mehr. Es ist somit keine Lösung, den Rückwärtsgang einzulegen. Erfolgversprechend ist einzig eine Neuausrichtung der Steuer- und Standortpolitik. Der Fokus sollte auf Massnahmen liegen, welche die Schweiz für wertschöpfungsintensive Tätigkeiten attraktiv halten. Davon profitieren Unternehmen, Beschäftigte und die öffentlichen Finanzen.Es gilt, neue Spielräume zu nutzenDie politische Debatte über einen Ausstieg verstellt den Blick auf die eigentliche Herausforderung. Die Frage ist nicht, ob eine Rückkehr zur früheren Steuerordnung möglich oder wünschenswert wäre, sondern wie sich die Schweiz unter den veränderten internationalen Rahmenbedingungen erfolgreich positioniert.Die grosse Mehrheit der betroffenen Unternehmen lehnt einen kurzfristigen Ausstieg aus der OECD-Mindeststeuer ab. Der Grund dafür ist pragmatisch. Solange wichtige Wirtschaftsräume wie die EU, das Vereinigte Königreich, Japan oder Südkorea am OECD-Regelwerk festhalten, brächte ein Schweizer Alleingang den betroffenen Unternehmen mehr Nachteile als Vorteile.Steueransprüche würden ins Ausland verlagert. Es drohten neue Unsicherheiten, schwer zu beseitigende Doppelbesteuerungen und zusätzlicher administrativer Aufwand. Dies würde die Standortattraktivität der Schweiz schwächen. Eine Rückkehr zu einer Situation vor Einführung der OECD-Mindestbesteuerung ist schlicht nicht möglich. Man sollte sich auf die Frage konzentrieren, wie die Schweiz in der neuen Steuerwelt erfolgreich sein kann.Der internationale Steuerwettbewerb ist keineswegs verschwunden. Er wird heute lediglich mit anderen Instrumenten geführt. Wichtige Konkurrenzstandorte haben ihre steuerliche Attraktivität gezielt gestärkt. Auch der Schweiz stünden bereits seit längerem international zulässige Instrumente zur Verfügung. Die OECD hat Anfang 2026 zudem neue Handlungsspielräume geschaffen, mit denen Staaten ihre steuerliche Wettbewerbsfähigkeit stärken können. Konkurrenzstandorte wie Singapur nutzen diese bereits konsequent und werben gezielt um steuerlich lukrative Tätigkeiten.Auch die Schweiz sollte diese Spielräume rasch ausschöpfen. OECD-konforme Förderinstrumente für Forschung, Entwicklung und Innovation sowie der Ersatz heute weitgehend wirkungsloser Instrumente wie der Patentbox sind wichtige Schritte, um den Standort wieder zu stärken. Davon profitieren nicht nur international tätige Unternehmen, sondern der Wirtschaftsstandort insgesamt.Versäumnisse werden sich erst verzögert zeigenBesonders herausfordernd ist die gegenwärtige Situation, da sich die schleichende Erosion der Standortattraktivität erst langfristig in den Zahlen niederschlagen wird. Jüngste Aussagen des Bundesrates suggerieren derzeit eine günstigere Entwicklung der Budgetlage als erwartet.Diese Momentaufnahme darf jedoch nicht über die langfristigen Risiken hinwegtäuschen. Denn Investitionsentscheide werden Jahre vor den entsprechenden Steuererträgen gefällt und werden damit erst mit erheblicher Verzögerung sichtbar. Seit längerem fallen diese zugunsten von kostengünstigeren oder wirtschaftlich insgesamt attraktiveren Standorten aus.Dieses Wissen sollte Ansporn sein, die Weichen für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz heute zu stellen. Eine Trendwende ist erst zu erwarten, wenn die Schweiz über Instrumente verfügt, die den neuen internationalen Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Der internationale Steuerwettbewerb findet nach neuen Regeln statt. Wer den Standort Schweiz stärken will, muss diese Regeln nutzen.Gabriel Rumo ist Direktor von Swiss Holdings, dem Verband der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in der Schweiz.Passend zum Artikel
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Die Debatte um die Rückkehr zu einer Situation vor Einführung der OECD-Mindestbesteuerung verstellt den Blick auf die wirklichen Herausforderungen. Die Schweiz sollte sich auf die Frage konzentrieren, wie sie in der neuen Steuerwelt erfolgreich sein kann.






