Angelica Moser zeigt den perfekten Wettkampf und verteidigt ihren EM-Titel im StabhochsprungMoser ist eine der verlässlichsten Medaillengewinnerinnen der Schweizer Leichtathletik. Auch wenn sie ihr Training aufgrund gesundheitlicher Probleme immer wieder anpassen muss. Wie erzielt man unter diesen Umständen und auf diesem Niveau noch Verbesserungen? Und wo liegen die Grenzen der 28-Jährigen?13.08.2026, 23.54 Uhr4 LeseminutenAktualisiertAngelica Moser ist wieder Europameisterin.Die drei xxx am Schluss auf dem Matchblatt hatten keine Bedeutung mehr: Angelica Moser versuchte sich am Ende des Abends noch an der Höhe von 4,85 m, riss dreimal – aber das spielte keine Rolle mehr. Denn sie war die einzige Stabhochspringerin, die im Alexander Stadium in Birmingham 4,80 m überquert hatte. Damit verteidigte Moser ihren Europameistertitel von 2024 souverän, alle Höhen meisterte sie im ersten Versuch.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die 28-Jährige bewies an den EM damit wieder einmal, dass sie im Wettkampf aufblüht. Geht es um Medaillen, zeigt sich eine andere Athletin auf dem Platz. Ihr Trainer Adrian Rothenbühler beobachtet das am Wettkampftag genau: «Ich spüre sofort, wenn sie in den Fokus geht. Dann steht man ihr besser nicht im Weg, denn dann hat sie eine Mission», sagt er. Mosers umfangreiches Palmarès unterstreicht das: Schon im Nachwuchs hat sie alles gewonnen, von U-20- und U-23-Europameisterschaften bis zu den Welt-Jugendspielen. Bei den Aktiven war sie zweimal indoor und nun zweimal outdoor Europameisterin und holte zweimal WM-Bronze in der Halle.Für die Therapie fährt sie nach AmbriMeistens bringt sie die Leistung auch dann, wenn sie sich nicht optimal vorbereiten konnte. Das Ziel von ihr und Rothenbühler ist ein stabiler Unterbau, Moser soll in jedem Zustand und bei allen Bedingungen 4,60 m überspringen. Ihre persönliche Bestmarke liegt bei 4,88 m, aufgestellt im Jahr 2024, als sie den ganzen Sommer auf äusserst hohem Niveau sprang und an den Olympischen Spielen trotz überquerter 4,80 m an einer Medaille vorbeischrammte. Sie war schwer enttäuscht, doch von der Leistung her war sie in jenem Sommer dort, wo sie sein wollte – nach Jahren mit den Folgen eines schweren Unfalls, einem Stabbruch, Trainerwechseln und dem Ausmerzen mentaler Schwächen.Auf jenem starken Jahr wollte die Zürcherin aus Andelfingen im Weinland aufbauen und sich so steigern, dass in Los Angeles 2028 die ersehnte Olympiamedaille in Reichweite rückt – es wäre die erste einer Schweizer Leichtathletin. Doch immer wieder kam etwas dazwischen. Im vergangenen Winter etwa: Wegen einer Plantarfaszitis und einer Zerrung trainierte sie vom Dezember bis zur Hallen-WM im März nie voll. Heute hat sie das Problem im Griff, nimmt für eine spezielle Therapie regelmässig den Weg nach Ambri auf sich.Doch wie arbeitet man unter diesen Umständen langfristig, an neuen Höhen? Das in einer komplexen Disziplin, die so fest auf Sicherheit und Vertrauen beruht? «Da kommt die Kreativität von mir als Coach ins Spiel: Wie kriegen wir die Belastungen, die Intensitäten, den Umfang dennoch hin?», sagt Rothenbühler. «Trotzdem ist es für die Athletin ein mentaler Aspekt: Sie weiss, dass dieses Training nicht das ist, was sie eigentlich machen müsste.» Bei Angelica Moser sei entscheidend, dass sie viel laufen und sprinten könne. Sonst fehlten diese Laufmeter und sie seien ständig daran, diese wieder aufzuholen.Das Ziel dieses Jahr war es, härtere Stäbe einzusetzenMosers grosse Stärke entfaltet sich, sobald sie in der Luft ist, dank ihrer Kraft im Oberkörper, aber auch ihrer Kunstturn-Vergangenheit. Die Bewegung am Stab ähnelt einer freien Felge im Turnen, die sie unzählige Male gemacht hat. Zudem hilft es bei der Orientierung in der Luft. Kommt dann noch die Geschwindigkeit dazu, erreicht sie einen Bereich, «in dem es interessant wird», sagt der Coach.Auf Mosers Niveau zählt zunächst, dieses zu halten. Bleibt sie für einen längeren Zeitraum verletzungsfrei wie diesen Frühling, lassen sich weitere Fortschritte angehen. Rothenbühler sagt: «Entscheidend ist immer, wie viel Energie sie in den Stab bringt.» Das Ziel in diesem Jahr war, härtere Stäbe einzusetzen, die sie höher katapultieren. Doch genau ein solcher härterer Stab warf sie im Juli bei ihrem Sieg in der Diamond League in Paris ab, sie zog sich dabei eine mittelgradige Bänderverletzung zu. Wonach sie zuerst das Vertrauen und die Sicherheit wieder finden musste.Wie hoch kann es für Moser noch gehen? «Als Trainer träume ich von den 5 Metern, sie träumt von Medaillen», sagt Rothenbühler. 12 Zentimeter fehlen bis zur magischen Marke noch, die weltweit erst vier Frauen überqueren konnten.Diese Marke ist zumindest realistischer als ein perfekter Sprung. Im Interview mit der NZZ sagte Moser im vergangenen Jahr: «Das ist illusorisch, man denkt, dass man irgendwann den perfekten Sprung schafft. Aber auch bei meinem bisher besten Versuch gab es noch viele Sachen, die etwas besser sein könnten. Diese kleinen Schräubchen, an denen man drehen kann, gehören zur Faszination dieser Disziplin.» In Birmingham ist Moser zumindest der perfekte Wettkampf gelungen.Passend zum Artikel