4,80 Meter sollten für Leo Neugebauer eigentlich kein Problem sein. Der Zehnkampf-Weltmeister hat im Stabhochsprung eine Bestleistung von 5,30 Metern stehen. Diesen Sommer ist er schon mehrfach über fünf Meter gesprungen. Auch bei der Europameisterschaft in Birmingham meisterte der Deutsche vermeintlich auf Anhieb die Höhe von 4,80. Zumindest stand sie für ihn im Scoreboard. Genau wie für sechs weitere Konkurrenten aus Gruppe B.Doch dann kam es zu einem Salto rückwärts des Kampfgerichts, wie man ihn auf dieser Ebene selten, um nicht zu sagen, noch nie gesehen hat. Was war passiert?Nachdem die Athleten, die der Anlage B zugewiesen waren, 4,70 Meter überwunden hatten, sollte es bei 4,80 Meter weitergehen. Sieben Zehnkämpfer um Neugebauer meisterten die Höhe erstaunlich problemlos. Bis sie unplanmäßig zusammengetrommelt wurden und die Oberkampfrichterin ihnen mitteilte: leider lag die Latte zu niedrig. Sorry. Man hatte vergessen, die nächste Höhe einzustellen.Alles zurück, zwar nicht auf Anfang – aber die scheinbar gemeisterten Versuche über 4,80 Meter wurden für ungültig erklärt.Selbst einer Kreismeisterschaft unwürdigDie Sportler hatten Kraft und Energie und nicht zuletzt Emotionen gelassen, die sie nun wieder einzufangen versuchten. Es wäre schon einer Kreismeisterschaft nicht angemessen gewesen. Doch bei einer Europameisterschaft?Amadeus Gräber, der ein sehr guter Stabhochspringer ist, meisterte die 4,80 abermals – und nun wirklich im ersten Versuch. Zwei weitere Athleten schafften die Höhe im zweiten Anlauf, zwei weitere ließen sie aus, um Kräfte zu sparen.Diskussion mit dem Kampfgericht: Makenson Gletty und Leo Neugebauer (r.)dpaDoch für Leo Neugebauer und den Franzosen Makenson Gletty kam es nun richtig bitter. Beide schieden scheinbar nach drei Fehlversuchen aus. Doch abermals leisteten sich die Kampfrichter eine Panne: sie hatten den variablen Abstand der Lattenständer zur Einstichstelle nicht nach Wunsch der Athleten eingestellt. Entsprechend scheiterten beide – wunderten sich über ihre missratenen Sprünge, erkannten das Problem und legten Protest ein.Der wurde nach Angaben von Bundestrainer Jörg Roos zunächst abgelehnt. Unter Vorbehalt durften sie dann doch noch jeweils einen vierten Versuch über 4,80 angehen. Neugebauer behielt die Nerven und meisterte die Höhe. Gletty dagegen scheiterte und war untröstlich.Üblicherweise sollen Zehnkämpfer in der ohnehin schwierigen und nervenaufreibenden Teildisziplin Stabhochsprung nach sieben, acht Sprüngen ihre maximale Höhe erreicht haben. Neugebauer, der das Gesamt-Tableau nach sieben Disziplinen anführte und sich auf dem Weg zur Goldmedaille wähnte, sprang allein bei 4,80 fünfmal – und das bei 36 Grad Celsius und wechselnden Winden. „Bei den Witterungsbedingungen ist das natürlich fatal und eine absolute Wettkampfverzerrung“, sagte Roos im ZDF.4,90 Meter meisterte Neugebauer dann im ersten Versuch. Unter Vorbehalt. Fünf Meter schaffte er dann nicht mehr. Gerissen im dritten Versuch – seinem zwölften insgesamt.