Drei von der Zankstelle: Mario Voigt (CDU, v.l.), Ministerpräsident von Thüringen, Sven Schulze (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen Foto: Hendrik Schmidt/dpaFür viele ihrer Wähler muss die Union seit jeher zwei Bedingungen erfüllen: Sie muss das Land im Griff haben und sich selbst. Sprich: gut regieren, und das am besten friedlich und geräuschlos.Dass man besser regiert als die SPD, war gleichsam Markenversprechen und Mythos, bevor es überhaupt um die berühmten Inhalte ging. Und man folgte seinem Kanzler oder seiner Kanzlerin, damit das Volk die Gewissheit hatte, dass unser Land nicht auf Abwegen ist und der Laden, also die Wirtschaft, brummt. Tja, lang scheint’s her.Schon im zweiten Sommer der Kanzlerschaft Merz zeigt die Union, dass sie ihren Markenkern entweder vergessen hat oder nicht mehr einlösen kann. Sie demontiert ihren im Verschnaufpausenurlaub weilenden Kanzler kakofonisch auf allen Kanälen, was sonst eine Spezialität der SPD ist, die ihre Vorsitzenden in Serie stürzt.Union: Kein Stich gegen SPDSie braucht nicht mal mehr eine Opposition, um ihren Wählern zu offenbaren, dass sie schon wieder keinen Stich gegen die SPD gelandet hat (Steuerreform). Und ihre möglichen Durchbrüche und Erfolge zerredet und zerlegt sie, bevor sie gesamtkunstfertig umgesetzt werden, ganz von selbst (Rentenreform).Das kleine Momentum an Durchbruch und Reformfähigkeit, das im Juni aufkeimte, es scheint schneller verschwunden als das Wasser aus den ausgedörrten Böden. Dabei waren all die geplanten Würfe, ob bei Rente oder in der Krankenversicherung, zwar größer als das Flickwerk in den Jahren zuvor, aber immer noch: Reparaturen am System.Fahrlässige Debatte um „Rente mit 63“Besonders die von CDU-Ost-Ministerpräsidenten entfachte Debatte um die sogenannte „Rente mit 63“ ist fahrlässig, kurzsichtig und selbstzerstörerisch. Denn innerhalb weniger Tage hat sich der ­Widerstand (nachdem die SPD das Ganze mittrug) verselbstständigt.Wer nicht gerade noch Urlaub macht, ist dagegen, immer mehr Landesväter und -mütter, die Fraktionen im Bundestag bröckeln schon, auch wenn ihre Chefs noch die Stellung halten. Garniert mit ein paar Umfragen, dass zwei Drittel der Deutschen ohnehin die „Rente mit 63“ beibehalten möchten, erwartet Friedrich Merz nach seiner Rückkehr ein schicksalhaftes Dilemma: Wenn er nachgibt, wird das Rentenpaket Stück für Stück zerpflückt.Wenn er hart bleibt, könnte diese Rentenreform, wenn sie im Bundestag (nach dem formalen Einspruch im Bundesrat) scheitert, seine Kanzlerschaft beenden.Merz muss hart bleibenUnd dann? Mit dem wollen wir weiter den „Aufbruch“ simulieren? Wenn die Union etwas von Angela Merkels Erbe erinnern sollte, dann die Fähigkeit, „die Dinge vom Ende her zu denken“. Wenn diejenigen aus der CDU zu Ende denken, was sie da losgetreten haben – ist es nur der weitere Stillstand bei Reformen oder das jähe Ende des Kanzlers Merz, was sie anstreben? Man darf gespannt sein. Man kann auch den Kopf schütteln.Kanzler müssen sowohl Allianzen bilden, als auch Führung zeigen, was sie zu einsamen Entscheidungen zwingen kann. Wenn die CDU sich schon nicht mehr im Griff hat, sollte Merz hart bleiben und versuchen zu zeigen, dass er die Regierung noch im Griff hat. Selbst wenn er dafür seine Kanzlerschaft riskiert.