Der CDU-Sozialflügel fordert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu auf, im Streit um das Ende der sogenannten „Rente mit 63“ einen Kompromiss herbeizuführen.„Die Bundesregierung sollte bei der Rentenreform nicht auf ihren weitreichenden Maximal-Forderungen beharren. Auch wir als CDU sollten hier Beweglichkeit zeigen“, sagte Christian Bäumler, Vize-Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), dem Tagesspiegel.„Es wäre gut, wenn der Kanzler so bald wie möglich mit den Ministerpräsidenten einen Kompromiss vereinbart. Am besten noch im August“, sagte Bäumler. Im September finden in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern Landtagswahlen statt. In Sachsen-Anhalt könnte die CDU die Staatskanzlei an die AfD verlieren, in Berlin das Amt des Regierenden Bürgermeisters an Linke oder Grüne.Längere Übergangsfristen sind ein möglicher WegChristian Bäumler, CDA-VizeVon der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren seien „hunderttausende Menschen betroffen, nicht nur eine überschaubare Gruppe“, sagte Bäumler: „Diese Menschen haben hart, sehr oft körperlich hart gearbeitet.“Der CDA-Vize brachte längere Übergangsfristen als Kern eines Kompromisses ins Gespräch. „Längere Übergangsfristen sind ein möglicher Weg“, sagte Bäumler. „Hier geht es um nichts weniger als die Akzeptanz in Zeiten, in denen die Demokratie in Deutschland unter Druck steht.“Etliche Ministerpräsidenten hatten sich in den vergangenen Wochen gegen ein Aus der sogenannten „Rente mit 63“ ausgesprochen, so Sven Schulze (CDU, Sachsen-Anhalt), Michael Kretschmer (CDU, Sachsen), Mario Voigt (CDU, Thüringen), Manuela Schwesig (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) und Anke Rehlinger (SPD, Saarland).Kürzlich machte sich nach der SPD Unionsfraktionschef Thorsten Frei für eine soziale Abfederung stark. „Eine Härtefallregelung bei der Abschaffung der ,Rente mit 63’ ist in jedem Fall angezeigt“, sagte der CDU-Politiker der Funke Mediengruppe. „Und auch über eine Übergangsregelung wird man reden.“ Die Abschaffung der Frührente ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren – aktuell mit 64,5 Jahren möglich, landläufig aber weiterhin als „Rente mit 63“ bezeichnet – ist einer der Kernpunkte der geplanten Rentenreform.Die Reform soll im Herbst im Bundestag debattiert werden. Zu einer Verabschiedung vor den Landtagswahlen dürfte es nicht kommen. (mit dpa)