Seit mehreren Tagen terrorisieren israelische Siedler den Hauskomplex von Familie Hassan. Das israelische Militär soll die Belagerung räumen – eigentlich.
Zwischen Olivenbäumen, auf einer kargen Ebene in der sengenden Mittagssonne, steht Abdelkarim Hassan. Der Mann im karierten Hemd schaut nachdenklich auf drei Häuser auf dem Hügel gegenüber. Neben ihm brutzelt ein silberner Peugeot-Kombi in der Sonne.
Vor den Gebäuden steht eine Gruppe junger Männer mit Hoodies, Kippot und Schlabberjeans: israelische Siedler. Einige Meter weiter eine Gruppe israelischer Soldat:innen in olivgrüner Vollmontur, weiter hinten zwei Militärfahrzeuge. Auf der Hausmauer sitzt ein Dutzend Jungs – auch sie Siedler – plaudern, schwingen die Beine in die Luft. Niemand hier weiß, was in den nächsten Minuten passieren wird.
Hassans Ehefrau und Sohn befinden sich gerade in der Villa hinter den Mauern. In ihrem eigenen Wohnhaus, das von den Jungs in Hoodies umzingelt ist. Sie dürfen nicht raus – und Hassan darf nicht rein. Er habe es versucht, sagt er und zeigt auf eine Serpentine im Hügel. Die Männer hätten Metallteile auf die Straße gestreut, um die Reifen aufzuschneiden.
Also sei Hassan zu Fuß weitergegangen – und in einen Steinhagel geraten. Da hat er aufgegeben. Jetzt blickt er, müde und unrasiert, aus der Ferne auf sein Haus. „Wir machen uns Sorgen um die psychische Gesundheit unserer Kinder. Sie schauen aus dem Fenster und sehen maskierte Männer, die versuchen, das Fenster einzuschlagen. Jede Nacht.“









