Die Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser hat in den vergangenen Wochen eklatant zugenommen. Netanjahu profitiert davon doppelt.

I n den deutschen Medien erscheinen alle paar Tage wenig sagende Titel wie „Gewalt im Westjordanland eskaliert“. Wir heften das unter „Da unten schlagen sie sich wieder die Köpfe ein“ ab. Aber die Gewalt hat einen Namen: die israelischen Siedler, die jeden Tag palästinensische Dörfer überfallen.

Seit Beginn dieses Jahres hat die UNO im Westjordanland bis zu sechs Angriffe von Siedlern pro Tag gezählt. Zwischen Januar 2023 und dem 6. Juli 2026 erlebten 123 palästinensische Gemeinden dort eine vollständige oder teilweise Vertreibung. Das sind die Zahlen des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten Ocha.

Es ist immer das gleiche Muster. Die Siedler kommen meist nachts in die Dörfer. Es beginnt mit Schreien, dann fliegen die Steine, gefolgt von Brandsätzen, bis Häuser und Autos in Flammen stehen. Wehren sich die Bewohner des Dorfes, kommt die israelische Armee und verhaftet sie. Schlimmstenfalls werden sie von den Siedlern oder der Armee erschossen, wie dieses Jahr 77 Palästinenser.

Die Menschen in den Dörfern sind dem hilflos ausgeliefert. Es gibt keinen Sicherheitsapparat, den sie um Schutz ansuchen können, der steht in Form der israelischen Armee vor der Tür, schaut zu oder macht schlimmstenfalls mit. Die Siedlermilizen, denn nichts anderes sind sie, und die Armee sind zwei Seiten der gleichen Medaille.