Denn der erste deutsche Sieg im Schwimmbecken bei dieser EM ist dem Schwimmer gelungen, der in einer Dokumentation des Mitteldeutschen Rundfunks über die Arbeit seines Trainers Bernd Berkhahn in Magdeburg gerade als „Kreuzung von Florian Wellbrock und Lukas Märtens“ beschrieben worden ist.Ein Name steht über den ErfolgenEin junger Mann also, der, so ist das zu verstehen, das Beste des Olympiasiegers über 400 Meter Freistil (Märtens) und des Freiwasserschwimmers Wellbrock in sich vereint. Märtens kommt in Paris erst am Schlusswochenende so richtig zum Zug, Wellbrock ist in Paris vergangene Woche Europameister über fünf und zehn Kilometer geworden.Dann hat sich Wellbrock ins Flugzeug gesetzt und die Panpazifikmeisterschaft in Long Beach, Kalifornien, auf der olympischen Zehn-Kilometer-Distanz gewonnen – vor allem, um das Wasser zu testen, in dem es im übernächsten Sommer für Wellbrock darum gehen wird, nach dem Olympiasieg von Tokio 2021 einen zweiten im Pazifischen Ozean zu erschwimmen.Liebmann, geboren in Eckernförde an der Ostsee, ist vor drei Jahren aus Elmshorn nach Magdeburg an die Elbe gewechselt, zu Bernd Berkhahn. Berkhahn war diesen Weg 2012 selbst gegangen, und sein Name steht über all diesen Erfolgen. Und sein Name steht für Weltspitze im Schwimmsport wie nur wenige andere. Was liegt da näher, als in Liebmann ein Wellbrock-Märtens-Amalgam zu sehen, einen Berkhahn-Spitzenschwimmer 3.0 oder 4.0?„Johannes hat natürlich den Vorteil, dass er viele gute Leute um sich herum hat“, sagt Berkhahn im selben Film mit dem für sich sprechenden Titel „Planet Bernd“: „Das hatte zum Beispiel ein Florian damals nicht, als er so alt war. Florian hat auch noch nicht von dem profitiert, was ich jetzt weiß methodisch. Das heißt, wir trainieren jetzt ein bisschen anders, als wir es damals getan haben.“ Die Gnade einer späten Geburt schlägt Wellen.Berkhahns Magdeburger Cluster beendet die TristesseVor allem aber zeigt sich auch, aber längst nicht nur an Liebmann: Es gibt im Schwimmsport nicht viel, was Erfolg garantiert. Aber es gibt etwas, was Erfolg verstetigt und wahrscheinlicher macht, und das ist: Erfolg. Berkhahns Magdeburger Cluster hat den Deutschen Schwimm-Verband aus seiner ein schlechtes Jahrzehnt währenden Tristesse gerissen. Als Wellbrock 2019 in Südkorea erst im Pazifik zum Weltmeister wurde und dann im Becken über 1500 Meter Freistil, hatte der Stimmungsumschwung Fahrt aufgenommen.Als Märtens 2024 in Paris als erster deutscher Mann seit Michael Groß 1988 in einem olympischen Beckenrennen als Erster anschlug, hatte ihn auch die breite Öffentlichkeit erfasst. Denn Schwimmen ist eine der Sportarten in Deutschland, die vor allem bei Olympischen Spielen Aufmerksamkeit bekommt.Das brachte am Donnerstagvormittag Märtens auf den Punkt, als er sich darüber echauffierte, dass Liebmanns Sieg nicht live zu sehen gewesen ist, nicht mal im digitalen Livestream. Die ARD machte gegenüber der F.A.Z. einen Fehler in der Produktionsplanung geltend. An den ARD-Sendetagen an diesem Freitag und am Sonntag sei Liveberichterstattung im digitalen Stream garantiert.Johannes Liebmann war im Frühjahr in Stockholm erstmals Europarekord über 800 Meter Freistil geschwommen, hatte in Schweden Sven Schwarz aus Hannover überflügelt, den Mann, den er auch am Mittwoch hinter sich ließ. Danach hat er Abitur gemacht. Und nun, spätestens seit dem Sieg vom Dienstag, stehen sein Name und sein Alter wie ein Versprechen im Raum, jedes Mal, wenn er hinter einem Startblock auftaucht. Das nächste Mal ist es an diesem Freitag so weit, wenn in St. Denis die Vorläufe über 1500 Meter Freistil anstehen. Niemand auf der Welt war in diesem Jahr auf dieser Strecke schneller als der 19 Jahre alte Johannes Liebmann.
Gold bei Schwimm-EM: Johannes Liebmann und die Magdeburger Methode
Johannes Liebmann gewinnt in Europarekordzeit den EM-Titel über 800 Meter Freistil. Der Neunzehnjährige verkörpert die nächste Generation eines Erfolgsmodells, das den deutschen Schwimmsport aus der Krise führt.










