Der Mond verdunkelte gerade die Sonne, als Johannes Liebmann Schwimmgeschichte schrieb. Der Abiturient kraulte im EM-Becken von Paris allen davon, unterbot seinen eigenen Europarekord und krönte sich zum ersten deutschen Europameister über 800 m Freistil.Nach dem Anschlag schwang sich der 19-Jährige auf die Leine, Vizeweltmeister Sven Schwarz hockte sich hinter ihn, beide rissen triumphierend die Arme hoch: Pünktlich zur Sonnenfinsternis in der französischen Hauptstadt strahlten die deutschen Schwimmer mit Gold und Silber.„Ich habe mit der Goldmedaille geliebäugelt, jetzt bin ich umso glücklicher, dass ich sie habe“, sagte Liebmann, der am dritten Tag im Centre Aquatique Olympique in 7:37,59 Minuten den ersten deutschen Becken-Titel holte: „Es ist unglaublich, ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll.“Nach 550 Metern hatte sich Liebmann von Schwarz und dem Ungarn Zalan Sarkany abgesetzt und zog unwiderstehlich davon. Seinen Europarekord, den er erst im April aufgestellt hatte, unterbot er am Ende um 35 Hundertstel.„Wir hatten uns zur Pflichtaufgabe gemacht, dass wir eins und zwei holen“, sagte Schwarz, „natürlich will man immer auf dem Ersten stehen, aber man kann nicht alles haben.“Erst im Mai hatte Liebmann sein Abitur gemacht, seit drei Jahren trainiert er bei Bundestrainer Bernd Berkhahn in Magdeburg mit den Olympiasiegern Florian Wellbrock und Lukas Märtens.In der vergangenen Woche hatte er sein EM-Debüt in der Seine als Achter im Knockout-Sprint gegeben. Am Freitag gehört Liebmann über 1500 m als Weltjahresbester erneut zu den Favoriten, am Sonntag kommt es über 400 m zum Duell mit Weltrekordler Märtens.